Archive for the ‘Schulentwicklung’ Category.

Schulische Integration managen: Aus den Erfahrungen Winterthurs lernen

Im Herbst 2013 schickte die Zentralschulpflege Winterthur ein Entwicklungsprojekt mit grossen und wichtigen Zielen auf den Weg. Der Hauptfokus ist dem Projekttitel zu entnehmen: «SIRMa» steht für «Stärkung der Integrationskraft der Regelschule durch Ressourcenmanagement». Die Schulen sollten unter anderem die Möglichkeit erhalten, finanzielle Ressourcen, die bisher für externe Sonderschulungen verwendet wurden, flexibel und bedarfsgerecht an der eigenen Schule einzusetzen. Die Winterthurer Regelschule würde integrativer und tragfähiger, Sonderschulungen würden zurückgehen.

Schon bald zeigte sich jedoch, dass diese zentralen Projektziele trotz hohem Engagement der Beteiligten nicht erreicht werden konnten: Der Anteil der Schülerinnen und Schülern mit Sonderschulstatus nahm nicht ab, sondern zu. Die erhoffte Umlagerung von finanziellen Ressourcen fand kaum statt.

Wie vorgesehen wurde SIRMa nach einigen Jahren wissenschaftlich evaluiert. Der Evaluationsbericht zeigt mit grosser Klarheit Zusammenhänge und Gründe auf, weshalb etliche Projektziele von SIRMa nicht oder nur teilweise haben erreicht werden können. Er macht aber auch konkrete Vorschläge, wie die (nach wie vor richtigen und sinnvollen) Projektziele erreicht werden können. Gerade deshalb ist der Evaluationsbericht nicht nur wertvoll für die Schule Winterthur, sondern für alle Schulen, Schulleitungen und Schulbehörden, die ähnliche Ziele anvisieren.

> Hilfreicher Beitrag mit dem Wichtigsten in Kürze aus der Feder des Evaluationsleiters Christian Liesen, ZHAW, Institut für Sozialmanagement (21.06.2018)
> Evaluationsbericht «Evaluation der Umsetzung des Konzepts SIRMa: Stärkung der Integrationskraft der Regelschule durch Ressourcenmanagement» (27.03.2018)
> Medienmitteilung der Zentralschulpflege Winterthur bezogen auf ein bereits beschlossenes Nachfolgeprojekt, welches die Erkenntnisse der Evaluation aufnimmt (19.04.2018)

Geniales Erklärvideo zu den SSG-Spickzetteln

Im letzten Blog-Eintrag wurde das praktische Hilfmittel SSG-Spickzettel vorgestellt. Nun hat das Schulamt der Stadt Zürich nochmals nachgelegt: Es hat ein genial gemachtes Erklärvideo entwickelt und zur freien Verfügung gestellt. Das Video zeigt in nicht einmal fünf Minuten anschaulich auf, wie vielfältig die SSG-Spickzettel eingesetzt werden können.

Das Erklärvideo kann direkt auf der Website des Schulamts oder auf YouTube angeschaut werden. Wer die Filmdatei herunterladen möchte, kann das hier tun (mp4, 42MB).

Die mündlichen Erklärungen sind in Deutschschweizer Dialekt gehalten. Deutsche Untertitel können in der YouTube-Ansicht hinzugeschaltet werden (einfach rechts unten im Videobild das «CC»-Symbol anklicken).

Wie lässt sich die integrative Förderung auf der Sekundarstufe I optimieren?

(Bild und Text: HfH Zürich) Integrative Schulungsformen sind auf der Primarstufe seit etlichen Jahren etabliert. Eine zunehmende Anzahl integrativ geschulter Schülerinnen und Schüler steht vor dem Übertritt in die Sekundarstufe I – eine herausfordernde Situation für die sonderpädagogische Förderung aufgrund der bestehenden Strukturen und der knappen Ressourcen in den Sekundarschulen.

Aus diesem Grund wurde an der HfH die Handreichung «Wege zur integrativen Förderung in der Sekundarschule» entwickelt, im Sinne einer Orientierungs- und Entscheidungshilfe für Schulleitungen, Schulteams und Schulbehörden. Sie kann als Leitlinie dienen bei der Reflexion der aktuellen integrativen Förderpraxis sowie bei Entwicklungsprozessen hin zu deren Optimierung. Die Handreichung beleuchtet die folgenden Themen:

  • Besondere Bedingungen und Herausforderungen der integrativen Förderung auf der Sekundarstufe I
  • Fachpersonen in Schulischer Heilpädagogik: Rolle und Kompetenzanforderungen
  • Zwei Modelle und Entwicklungsperspektiven für die integrative Förderung auf der Sekundarstufe I: Schulen mit Lernlandschaften, Schulen mit Förderzentrum

Schulen, die eine externe Begleitung bei diesem Entwicklungsprozess in Erwägung ziehen, können mit der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) Kontakt aufnehmen. Weitere Informationen dazu sind hier zu finden.

Schulische Integration im Kanton Graubünden: SHP sehen mehrheitlich positive Effekte

LEGR_grafiken_2Der Verband Lehrpersonen Graubünden (LEGR) hat 2015 die Schulischen Heilpädagog/innen (SHP)* im Kanton zur Thematik der schulischen Intergration befragt. Zwei Drittel (180 SHP) haben geantwortet und ist somit repräsentativ.

Die Resultate sind ingesamt erfreulich (siehe Bild mit den beiden «Kuchengrafiken» … ein Klick auf das Bild macht es grösser): 80% sagen aus, dass sich die schulische Integration positiv oder eher positiv auf die Schüler/innen mit besonderem Förderbedarf auswirkt. Rund zwei Drittel geben an, dass durch diese Schulungsform auch der Lernerfolg der gesamten Klasse positiv oder eher positiv beeinflusst würde. (Bei dieser Antwort haben 23% der Befragten «weiss nicht» angeklickt. Blendet man diese aus, sind über 80% der Antworten im positiven Bereich.) Bei beiden Fragen fällt auf, dass in keinem Fall ein vollumfänglich negativer Effekt zurückgemeldet wurde.

Weiter haben die Befragten ausgesagt, dass
– ein differenzierter Unterricht allen Schüler/innen zugute käme,
– die soziale Kompetenzen innerhalb der ganzen Klasse gestärkt würden
– und dass die Zusammenarbeit im Tandem Klassenlehrperson/SHP bereichernd sei (90% der SHP empfinden die Zusammenarbeit mit den Klassenlehrpersonen als zielführend; in einer früheren Umfrage haben zu dieser Frage 83% der Klassenlehrpersonen eine positive Einschätzung abgegeben).

Als herausfordernd und schwierig erachten die Befragten SHP die Integration von stark verhaltensauffälligen Schüler/innen sowie die Situation von Klassen, in denen sehr viele Kinder mit besonderem Förderbedarf versammelt sind. Beides könne die positiven Integrationseffekt zum Kippen bringen.

Mehrfach erwähnt wurde darüber hinaus, dass eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit der Lehrpersonen untereinander eine unverzichtbare Grundlage für eine erfolgreiche schulische Integration sei. Und: Integration sei ganz klar eine Schulführungsaufgabe – ohne kompetente Schulleitungen sei eine nachhaltige integrative Schule nicht denkbar.

Link zur Mitteilung des Verbands Lehrpersonen Graubünden (LEGR)
Alle Informationen zur Umfrage (alle Antworten im Detail sowie Präsentationsfolien in einer zip-Datei)

*Für Leser/innen aus Deuschland: Schulische Heilpädagog/innen (SHP) sind Lehrpersonen mit zusätzlichem (in der Regel Master-) Abschluss im sonderpädagogischen Bereich.

«Rezeptbuch schulische Integration» ist in zweiter, aktualisierter Auflage erschienen

rezeptbuch_zweite_auflageIm Jahr 2011 erschien das «Rezeptbuch schulische Integration», das ich gemeinsam mit Klaus Joller-Graf und Belinda Mettauer Szaday verfasst habe. Das Interesse an diesem Buch war erfreulich: Es wurde viermal nachgedruckt.

Obwohl vier Jahre keine Ewigkeit sind, hatten wir das Bedürfnis, verschiedene Inhalte zu aktualisieren … nur einige wenige, wie wir zunächst dachten. Nach und nach entschieden wir uns jedoch, etliche Passagen zu überarbeiten:
⇒ Aktuelle Forschungsergebnisse zur Wirkung der Integration wurden eingearbeitet.
⇒ Die didaktische Prinzipien für einen guten Integrativen Unterricht wurden neu strukturiert und konkretisiert.
⇒ Das Kapitel «Förderdiagnostik und Förderplanung» wurde deutlich überarbeitet und mit einem Abschnitt zum Thema «Nachteilsausgleich» ergänzt.
⇒ Das Kapitel «So kann schulische Integration gelingen» wurde in den Bereichen «Aufgabenteilung zwischen Lehrpersonen und Fachpersonen für Schulische Heilpädagogik» sowie «Führungs- und Steuerungsaufgaben von Schulleitungen im Bereich Sonderpädagogik» angereichert.
⇒ Die Hinweise zu empfehlenswerten Büchern, Materialien und Medien wurden aktualisiert.

Das Inhaltsverzeichnis und die Vorworte zu den Auflagen 1 und 2 können hier heruntergeladen werden: pdf-Datei, 5.2 MB

Das Buch kann hier bestellt werden: direkt beim Haupt-Verlag, bei ex libris, bei buch.ch, bei amazon.de

Modelle professioneller Zusammenarbeit im Unterricht

zahraeder_mit_modellenNoch vor wenigen Jahrezehnten wurden Lehrpersonen als Einzelkämpfer/innen ausgebildet. Das hat sich grundlegend geändert: Die heutige Schule ist ohne Zusammenarbeit nicht mehr vorstellbar. Die Frage ist nicht mehr das «Ob», sondern vielmehr das «Wie».

Weil immer wieder Schulteams auf mich zu kamen mit dem Anliegen, die Zusammenarbeit zwischen Regellehrpersonen und sonderpädagogischen Fachpersonen (namentlich Schulischen Heilpädagog/innen) zu reflektieren und zu optimieren, habe ich auf plakative (und auch leicht humorvolle) Art und Weise verschiedene Modelle der Zusammenarbeit skizziert

Die entsprechenden Beschreibungen sind hier herunterladbar. Enthalten ist auch ein Vorschlag, wie man im Schulteam mit diesen Modellen arbeiten kann, um die eigenen Formen der Zusammenarbeit zu reflektieren und weiterzuentwickeln.

Gleiche Qualitätsanforderungen ans Bildungsangebot – egal in welchem Setting Schüler/innen mit Behinderungen gefördert werden

argev-bericht_bildSchülerinnen und Schüler mit sehr hohem Förderbedarf – dieser steht in der Regel im Zusammenhang mit einer Behinderung – können in ganz unterschiedlichen Settings gefördert werden: in einer Heimsonderschule, einer Tagessonderschule, einer Integrationsklasse oder integrativ in einer Regelklasse. Ein sehr hoher Förderbedarf wird oft als «Bedarf an verstärkten Massnahmen» oder als «Sonderschulbedarf» bezeichnet.

Bis vor wenigen Jahren entschied der Förderort darüber, nach welchen Kriterien und Verfahren die Qualität des Bildungsangebots überprüft wurde. Regel- und Sonderschulen waren (auch) diesbezüglich getrennte Welten. Heute sind die Angebote durchlässiger geworden … und ganz automatisch stellt sich die Frage: «Wenn ein Schüler mit gleicher Symptomatik entweder in einer Sonderschule oder integriert in der Regelschule gefördert werden kann: Ist es in Ordnung, wenn zur Qualitätseinschätzung andere Massstäbe gelten und andere Evaluationsverfahren durchgeführt werden?»

Im Jahr 2009 nahm die Interkantonale Arbeitsgemeinschaft externe Evaluation von Schulen (ARGEV) diese Thematik auf und erteile der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich (HfH) den Auftrag, eine entsprechende Bestandesaufnahme in den Kantonen zu machen. Im Bericht von Christian Liesen und Peter Lienhard (pdf, 2.1 MB) wurde ersichtlich, dass die Evalutionsthemen und -bereiche im Regel- und Sonderschulbereich mehr Gemeinsamkeiten als Besonderheiten aufweisen.
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Inklusion zwischen Diskriminierungsverbot und «das geht nicht»

geteilte_lebensweltDer «Fall Henri» wird derzeit weit über Deutschland hinaus intensiv diskutiert. Dieser Junge mit Down-Syndrom hat die Primarschule integrativ besucht. Eine vergleichbare Weiterführung scheint nun nicht mehr möglich zu sein: Sowohl die Realschule als auch das Gymnasium vor Ort haben die Aufnahme von Henri abgelehnt (Beitrag NZZ online vom 20.05.2014, Beitrag SPIEGEL online vom 16.05.2014, sehr kritischer Artikel auf F.A.Z. online vom 20.05.2014).

Die Diskussion dieser Situation verläuft hoch kontrovers. Es tut sich ein Spannungsfeld auf zwischen «Inklusion ist gesetzt, das Diskriminierungsverbot gilt» und «das geht nicht, das macht doch keinen Sinn mehr». Geht man von einem regulären, herkömmlichen Unterricht in Real-, Sekundar- und Gymnasialklassen aus, ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit tatsächlich zu stellen: Auch bei noch so geschickter Differenzierung wird es schwer fallen, Henri beispielsweise an einer Diskussion über den Ukraine-Konflikt oder an einer Mathematik-Lektion zum Thema Integralrechnung echt teilhaben zu lassen. Wer die Inklusionsfrage durch eine Schwarz-weiß-Brille betrachtet («Inklusion ist nur bei ständigem, 100-prozentigem gemeinsamem Lernen umgesetzt») wird sowohl die Schule als auch die betroffenen Schüler/innen in unlösbare Situationen rasseln lassen.

Wir brauchen eine Entkrampfung, um den Kopf frei zu bekommen für pragmatische, für alle Beteiligten lebbare Lösungen. Continue reading ‘Inklusion zwischen Diskriminierungsverbot und «das geht nicht»’ »

Konkrete Schritte auf dem Weg zu einer «Schule für alle» – auf vier Ebenen

liestal_breit_2zu1Was gibt es auf dem Weg hin zu einer «Schule für alle» zu bedenken und zu beachten? Ich habe versucht, relevante Punkte auf vier Ebenen zu formulieren:

Ebene «Forschung, Recht und Ethik»: Welche Vorgaben sind gesetzt? Welche Integrationseffekte sind forschungsmässig gut belegt, welche nicht? Was gehört zu einer echten Teilhabe, die über eine rein räumliche Integration hinausgeht?

Ebene «Schulsystem»: Welche strategischen Leitplanken sollten von Bildungspolitik und Bildungsverwaltung gesetzt werden? Wie offen oder eng sollen die Vorgaben bezüglich der Umsetzung der schulischen Integration sein … beispielsweise: Hat alles jederzeit gemeinsam in der Klasse zu erfolgen? Soll ein Teil der Sonderschulressourcen in die Regelschule umgelagert werden?

Ebene «Schulhaus»: Wie kann sich eine Schule organisieren, damit sowohl die Ressourcen sinnvoll und fair eingesetzt werden? Wie wird ein giesskannenartiges Versickern von wertvollen Förderstunden vermieden? Ist es sinnvoll oder gar notwendig, in einer «Schule für alle» einzelne Schüler/innen mit besonderem Förderbedarf zu «labeln»?

Ebene «Unterricht»: Kann eine «Schule für alle» ohne Unterrichtsentwicklung realisiert werden? Wie können wir es schaffen, einen differenzierten Unterricht zu entwickeln, ohne uns dabei zu überfordern?

Beim letzten Punkt habe ich – wie bereits mehrmals – das so genannte «Churer-Modell» vorgestellt, das mich in seiner Klarheit und Praktikabilität sehr überzeugt (Kurzbeschreibung des «Churer-Modells»: pdf-Datei, 2.2 MB … und hier geht es zur Homepage des Churer-Modells).

Das Handout meines Referats (pdf-Datei, 1.5 MB) dürfte zwar nicht alle Aspekte meiner mündlichen Ausführungen übermitteln, enthält aber die wichtigsten Kernaussagen sowie einen Link zu den Referatsfolien.

Blog «Integrative Schule» ist als Buch erschienen

bild_bloggingbook_lienhardEin Blog in Buchform … macht das Sinn? Diese Frage stellte sich mir, als eine Mitarbeiterin des Verlags «bloggingbooks» mit der Anfrage auf mich zukam, ob ich meinen Blog als Buch veröffentlichen möchte. Ich liess mich nach einigem Zögern schliesslich davon überzeugen, dass es durchaus Sinn machen könnte, das eher flüchtige Medium «Blog» so zu bearbeiten, dass es in der Darbietungsform «Buch» eine Berechtigung erlangen könnte.

Ich habe meine Blogbeiträge zunächst kritisch durchforstet: Allzu situative, nur kurzfristig interessante Beiträge habe ich gekippt. Die verbleibenden habe ich nach vier Themenschwerpunkten geordnet:
• Internationale Einblicke in integrative Schulen
• Umsetzung der Integration in Schule und Unterricht
• Diagnostik, Zusammenarbeit und Förderplanung
• Konzeptuelle und bildungspolitische Perspektiven der schulischen Integration

Natürlich hat dieses handliche Büchlein (74 Seiten) durchaus gewisse Parallelen zur Publikation Rezeptbuch schulische Integration, doch ist der Charakter der Schreibweise ein ziemlich anderer – wie dies eben in einem Blog so die Regel ist. Und weil die einzelnen Beiträge relativ kurz sind (eine halbe bis zwei Seiten), eignet sich diese Broschüre durchaus für den Nachttisch, das Klo oder die Kaffee-Ecke im Lehrerzimmer.

Weitere Informationen: Inhaltsverzeichnis (pdf-Datei) und «Werbeposter» (A3-Format, grössere pdf-Datei)

Bestellmöglichkeit via Ex Libris oder Amazon Deutschland

Nachtrag vom 12.12.2013: Das Buch ist neu auch für rund 3€ als Kindle-Edition erhältlich.

Geht die Begabtenförderung in der integrativen Schule auf oder unter?

stufen_begabtenfoerderungIn der Debatte um die schulische Integration resp. Inklusion droht die Frage der Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderer Begabung unterzugehen. Das ist nicht gut.

In einem Beitrag, der in der neuesten Publikation der LISSA-Stiftung «Begabungsförderung integriert» abgedruckt ist, sind unter anderem verschiedene Stadien beschrieben, in denen sich Schulen bezüglich Begabungs- und Begabtenförderung befinden können (ein Klick auf die Abbildung links macht sie grösser):

Negation: Wenn sich der Unterricht an einer fiktiven «durchschnittlichen Leistungsfähigkeit» orientiert, werden besonders begabte Schülerinnen und Schüler weder erkannt noch sind sie erwünscht, weil sie den Homogenitätsanspruch («alle tun zur gleichen Zeit dasselbe auf dem gleichen Niveau») stören.
Delegation: Die pädagogische Herausforderung, auch besonders begabten Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden, wird an ein spezielles Pull-Out-Programm delegiert. Der eigene Unterricht bleibt von einer entsprechenden Veränderung verschont.
Infiltration: Einzelne Fachpersonen für Begabtenförderung, die in solchen Pull-Out-Programmen tätig sind, infiltrieren auf geschickte Weise Förderideen (sei es durch Projekte oder Team-Teaching) in die Klassen und letztlich in die Unterrichtspraxis der Lehrpersonen im Schulhaus.
Kooperation: Die Fachperson für Begabtenförderung arbeitet (konzeptuell vorgesehen und entsprechend verbindlich) in vielfältiger Weise mit Regellehrpersonen zusammen, was die Breitenwirkung der Begabungs- und Begabtenförderung innerhalb des Schulhauses erhöht.
Evolution: Die Schule hat sich dafür entschieden, die klassenbezogenen Unterrichts- und Förderstrukturen so zu verändern, dass sie sowohl lernschwachen als auch besonders begabten Schülerinnen und Schülern besser entgegen kommen.

⇒ Der Fachartikel ist hier herunterladbar: pdf-Datei, 1.9 MB
⇒ Die Broschüre mit diesem Beitrag und verschiedenen Beschreibungen von preisgekrönten Schulmodellen ist im Buchhandel unter der ISBN-Nummer ISBN 978-3-033-03894-3 für CHF 20.00 erhältlich. Personen, welche im Schulbereich tätig sind, können hier ein kostenloses Exemplar bestellen.
⇒ Interessanter Artikel zur Thematik aus der Wochenzeitung DIE ZEIT vom 21. März 2013: pdf-Datei, 1.3 MB

Weniger Lehrpersonen pro Klasse: Bildungsdirektion des Kantons Zürich startet Projekt

zwei_lp_pro_klasse[Bild: NZZ] Es ist unbestritten: Die Anzahl an Lehrpersonen auf der Kindergarten- und Primarstufe hat sich in den vergangenen Jahren laufend erhöht. Verschiedene Gründe sind dafür verantwortlich: Stellenteilungen aufgrund des Wunsches nach Teilzeitpensen, der Einsatz von Fachlehrpersonen sowie der Beizug von Lehrpersonen mit Spezialfunktionen wie Integrative Förderung [IF] oder Deutsch als Zweitsprache [DaZ]). Damit werden die Schnittstellen aufwändiger. Die Klarheit, wer wofür verantwortlich ist, kann leiden.

Vor diesem Hintergrund lanciert die Bildungsdirektion des Kantons Zürich ein Projekt unter der Bezeichnung «Fokus Starke Lernbeziehung». Möglichst viele Spezialfunktionen (u.a. IF, DaZ, Begabtenförderung sowie teilweise auch Therapien) sollen integral von zwei Lehrpersonen übernommen werden. Die Bündelung dieser Ressourcen macht es möglich, dass in vielen Lektionen zwei Lehrpersonen gemeinsam eine Klasse unterrichten werden. Fehlendes Fachwissen soll innerhalb der Schule durch Beratung gesichert werden. Gemäss Projektbeschrieb sollen damit folgende Zielsetzungen erreicht werden:
– pädagogisch (konstantere Lehr-Lern-Beziehung, verbesserte Beziehungsqualität)
– schulorganisatorisch (einfachere Personal- und Stundenplangestaltung, weniger Organisations- und Koordinationsaufwand)
– schulförderlich (Verstärkung der Kompetenzen der Lehrpersonen, mehr fachlicher Austausch, Konzentration auf das pädagogische Kerngeschäft)

Die Idee leuchtet ein: Die Aufsplitterung des (sonder-)pädagogischen Auftrags auf zu viele Personen ist für alle Beteiligten unbefriedigend – nicht zuletzt für die betroffenen Schülerinnen und Schüler. In diesem Zusammenhang möchte ich an die Evaluation des (leider bald der Vergangenheit angehörenden) Grundstufenprojekts erinnern: Sie hat nachgewiesen, dass ein gemeinsam verantworteter Unterricht mit zeitlich hoch dotiertem Teamteaching die Tragfähigkeit der pädagogischen Situation deutlich erhöht. Ich empfinde es deshalb als bitter, dass ein Schulmodell beerdigt werden muss, das Kernelemente des neuen Projekts «Fokus Starke Lernbeziehung» erfolgreich umsetzt.

Dieses Projekt wirft aber auch gewichtige Fragen auf: Gelingt es, das Know-how der Lehrpersonen mit Spezialfunktionen – sie werden teilweise in einzelnen Klassen arbeiten, teilweise beratend tätig sein – in die Klassen und an die Schülerinnen und Schülern zu bringen? Erfolgt durch die Stärkung des Generalistentums eine Verflachung oder gar ein Verlust spezifischer Fähigkeiten und Fertigkeiten im Schulteam?

Ich bin gespannt, wie sich die Umsetzung des Projekts entwickelt, und ich erachte es als positiv, dass die Bildungdirektion grossen Wert auf dessen Begleitung und Evaluation legt. Neben strukturellen und schulorganisatorischen Fragen geht es schliesslich darum, ob der Bildungsauftrag der Volksschule in diesem Modell mindestens gleich gut umgesetzt werden kann wie in den derzeit gelebten Settings – zugunsten aller Schülerinnen und Schüler, ob mit oder ohne besonderem Förderbedarf.

Artikel der NZZ vom Do, 24.01.2013
Projektseite der Bildungsdirektion des Kantons Zürich
Video der Medienkonferenz mit Regine Aeppli (Bildungsdirektorin), Stefan Fritschi (Stadtrat Winterthur) sowie bei der Fragenbeantwortung zusätzlich Martin Wendelspiess (Chef Volksschulamt)
Medienmitteilung der Bildungsdirektion des Kantons Zürich

Klein und innovativ: Liechtenstein präsentiert «Gesamtkonzept Fördermassnahmen»

Wissen Sie, wie sich das pädagogische und sonderpädagogische Angebot im Fürstentum Liechtenstein präsentiert? Nein? Dann sind Sie nicht allein.

Weitgehend unbeachtet von einer breiteren (schweizerischen) Öffentlichkeit wurden im Fürstentum Liechtenstein viele wichtige Entwicklungen im Bildungswesen früh, professionell und konsequent angegangen: Seit mehr als 20 Jahren gilt in der Regelschule das Prinzip der integrativen Förderung; in einzelnen Gemeinden wurden die Basisstufe, weitere altersdurchmischte Schulmodelle und Tagesschulen eingeführt; sonderpädagogische Massnahme einschliesslich Begabtenförderung stehen den Regelschulen im Rahmen eines Kontingents zur Verfügung; die Zuweisung zu verstärkten Massnahmen erfolgt entlang des «Standardisierten Abklärungsverfahrens» … um nur einige Punkte zu nennen.

Die Pädagogische Arbeitsstelle des Schulamts stellt nun alle diese Entwicklungen im Gesamtkonzept «Fördermassnahmen im liechtensteinischen Bildungswesen» dar. Was gefällt mir an diesem Konzept besonders? Es ist schlank gehalten und sehr verständlich geschrieben. Wer sich in eine bestimmte Thematik vertiefen will, wird auf die entsprechenden Dokumente verwiesen. Hilfreich ist die Orientierung nach Farben (siehe Puzzleteile auf dem Bild), so dass die einzelnen Massnahmen textlich jederzeit dem entsprechenden Bereich zugeordnet werden können. Und schliesslich gefällt mir, dass die Terminologie konsequent dem Sonderpädagogik-Konkordat der EDK folgt – obwohl das Fürstentum Liechtenstein (noch) nicht beigetreten ist.

Selbstverständlich: Auch im Ländle kocht man nur mit Wasser. Aber man tut es professionell: Im Fürstentum Liechtenstein sind verschiedene Entwicklungen bereits etabliert, die in verschiedenen Kantonen noch veritable Baustellen sind. Ein Blick dieser Kantone über den östlichen Rhein könnte sich deshalb lohnen.

Homepage des Schulamtes im Fürstentum Liechtenstein
Link zum Download des «Gesamtkonzepts Fördermassnahmen»

Zweimal Ja für die Grundstufe

In der Grundstufe sind die beiden Kindergartenjahre und die 1. Klasse zusammengefasst. Im Kanton Zürich haben sich 27 Schulgemeinden mit 87 Klassen entschlossen, dieses Schulmodell einzuführen.

Die Vorteile der Grundstufe liegen auf der Hand: In der altersdurchmischten Lerngruppe kann viel besser auf die unterschiedlichen Lerntempi der Kinder eingegangen werden. Eine breit durchgeführte Evaluation hat auch bestätigt, dass viel weniger Schüler/innen wegen Lernproblemen ausgesondert werden müssen – vor allem, weil die bisherige starre Schwelle zwischen Kindergarten und erster Klasse flexibler gehandhabt werden kann. Rasche Lerner können die Grundstufe in zwei Jahren durchlaufen. Wenn ein Kind mehr Zeit braucht, durchläuft es die Grundstufe in vier Jahren. Einschulungsklassen werden mit diesem Modell überflüssig. Die Grundstufe ist kindgerecht und integrativ.

Im Kanton Zürich wird am 25. November 2012 über zwei Vorlagen abgestimmt, welche die Grundstufe betreffen: Die «prima-Initiative» sieht eine flächendeckende Einführung dieses Modells vor. Ein regierungsrätlicher Gegenvorschlag will den Gemeinden die Wahl zwischen Kindergarten/1. Klasse und Grundstufe lassen.

Es spricht für sich: Kaum eine Grundstufen-Gemeinde will diese Schulform wieder aufgeben. Es handelt sich offensichtlich um ein Erfolgsmodell. Das möchte eine Vereinigung unter der Bezeichnung «Offenes Schulforum kindgerechte Schule» nicht wahrhaben. Ein Zitat aus dem «grossen Argumentarium», das auf ihrer Homepage heruntergeladen werden kann: «Die Kinder [in der Grundstufe] sitzen hauptsächlich am Tisch und arbeiten nach Vorlagen. Die reiche Spielumgebung ist ein Schulzimmer mit Gestellen voll von Ordnern und Förderspielen. Das gemütvolle, kindgemässe Erzählen mit unterschiedlichen Materialien wird zur Anweisung um Aufgaben auszuführen. Rituale haben keinen Platz mehr. Das selbst bestimmte Spiel und ein reichhaltiges Bewegungsangebot existiert nicht mehr.» Alle, die schon Einblick in eine Grundstufe genommen haben, entlarven diese Äusserungen als hilflose Unterstellung ohne Realitätsbezug. Ich empfinde dieses Argumentationspapier als ärgerlich und unfair.

Wer sich selbst ein Bild über die Arbeit in der Grundstufe machen will, kann über die Homepage der prima-Initiative einen Schulbesuch in einer Grundstufe in Wetzikon, Winterthur oder der Stadt Zürich vereinbaren.

Zwei lohnende Beiträge aus der NZZ vom 17.11.2012, verfasst von Walter Bernet
Artikel über die Grundstufe Elsau im Tages Anzeiger vom 10.11.2012
Interview pro und contra (Karin Maeder, Gabi Fink) im Tages Anzeiger vom 3.11.2012
Artikel NZZ vom 1. November 2012 «Putsch im Chindsgi»
Link zu einem Artikel auf TA-online vom 19.10.2012
Link zu einem Artikel auf NZZ-online vom 24.10.2012
[Bild: www.schule-sternenberg.ch]

«Rezeptbuch schulische Integration»: In 15 Monaten bereits viermal nachgedruckt

Erfreulich: Nachdem das «Rezeptbuch schulische Integration» im März 2011 erschienen ist, musste es schon viermal nachgedruckt werden. Einige Korrekturen an Text und Layout konnten bei dieser Gelegenheit vollzogen werden.

Flyer | Inhaltsverzeichnis und Vorwort

Online-Bestellung: buch.ch | ex libris | Haupt-Verlag | Amazon.de

Rezension (pdf 0.1 MB) vom Mai 2011 in der Zeitschrift «Bildung Schweiz»


Dieses praxisorientierte Buch wurde von einem Autorenteam (Peter Lienhard, Klaus Joller und Belinda Mettauer) verfasst und spricht vor allem Lehrpersonen und Schulleitungen der Regelschule an, aber auch Eltern, Fachpersonen der Sonderpädagogik und angrenzender Gebiete sowie Studierende. Es hat einen Umfang von 189 Seiten und beinhaltet 41 Abbildungen sowie 11 Tabellen.

Aus dem Inhalt:
– Gemeinsames Lernen als Ziel (ein Blick auf die gegenwärtige Realität der Volksschule, rechtliche und ethische Grundlagen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Wirkungen der schulischen Integration)
– Integrative Schulen machen guten Unterricht (Merkmale eines Unterrichts, der sowohl Schülerinnen und Schülern ohne als auch mit Beeinträchtigungen entgegenkommt)
– Förderdiagnostik und Förderplanung (mit dem Vorschlag eines übersichtlichen Förderplanungszyklus und konkreten Beispielen für eine effiziente und koordinierte Umsetzung)
– So kann schulische Integration gelingen (mit Hinweisen, wie eine Schule auf dem Weg hin zu einer integrativeren Schule vorgehen und ihre Qualität selbst überprüfen kann)
– Kurzbeschriebe von empfehlenswerten Büchern, Materialien und Medien

Zwischen den Kapiteln sind Praxisbeispiele aus integrativen Schulen aus der Deutschland, der Schweiz, Italien, Schweden, Israel und Neuseeland zu finden. Sie zeigen pragmatische und oft verblüffend einfache Wege auf, wie die Schule integrativer gestaltet werden kann.

Klassenassistenzen stärken die integrative Schule

In Sonderschulen sind sie seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil: Klassenassistenzen, Schulhilfen, Pädagogische Mitarbeiter/innen, Zivildienstleistende. In Regelschulen taucht diese Personalkategorie immer häufiger auf – meist aufgrund bestimmter Drucksituationen. Entsprechend ist die konzeptuelle Verankerung oftmals dürftig. Teilweise herrscht auch berufspolitische Skepsis: Die Befürchtung wird laut, dass mit dem Einsatz von Schulassistenzen Fachpersonal weggespart wird.

Ein Blick in Schulen vieler Länder hat mir gezeigt, dass die integrative Schule durch Assistenzpersonen klar gestärkt und tragfähiger gemacht werden kann. Es braucht aber konzeptuelle Leitplanken (namentlich die Klärung der pädagogischen Gesamtverantwortung für eine Klasse oder auch für einzelne Kinder). Und: Je nach Zusammensetzung und pädagogischem Bedarf einer Klasse sollte entschieden werden, welche Kompetenzen neben der Klassenlehrperson nötig sind, um eine gute Förderung aller Schülerinnen und Schüler zu erreichen (Assistenz? zusätzliche Regellehrperson? verstärkter Einsatz der Fachperson in Schulischer Heilpädagogik?). Dabei müssen Schwerpunkte gesetzt werden, damit die Anzahl Bezugspersonen pro Klasse möglichst gering bleibt.

So weit wie organisatorisch möglich soll jede Berufsgruppe so tätig sein können, dass es für den gemeinsamen pädagogischen Auftrag in der betreffenden Klasse oder Schule Sinn macht (Assistenzpersonen darf keine alleinige Förderverantwortung übertragen werden; Fachpersonen in Schulischer Heilpädagogik sollen nicht als Hilfslehrpersonen eingesetzt werden). Nur so kann ein weiteres, wichtiges Ziel erreicht werden: Mit den begrenzten finanziellen Mitteln wird die grösstmögliche Wirkung erzielt.

⇒ Im Schulblatt des Kantons Zürich (2/2012) ist ein lesenswerter Beitrag zum Thema erschienen: Die Schule Rorbas-Freienstein berichtet über ihre Erfahrungen mit der Einführung von Schulassistenzen (pdf, 0.3 MB).

⇒ Die Neuen Zürcher Zeitung berichtet am 13. April 2012 über die Erfahrungen der Sekundarschule Petermoos in Buchs ZH mit Klassenassistenzen (pdf, 0.3 MB).

[Bild: Schulblatt des Kantons Zürich]

Erfolgreiche gymnasiale Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund

[Bild: Tages-Anzeiger] Für das Gymnasium Unterstrass war der Freitag der 13. (April 2012) kein Unglückstag – vielmehr gab es etwas zu feiern: Die vierte Generation von ChagALL-Jugendlichen konnte aufgenommen werden. Zudem konnte die an der Feier anwesende Bildungsdirektorin Regine Aeppli bestätigen, dass der Kanton Zürich dieses erfolgreiche Projekt ab sofort massgeblich mitfinanziert.

Worum geht es? ChagALL steht für «Chancengerechtigkeit durch Arbeit an der Lernlaufbahn». Begabte Jugendliche mit Migrationshintergrund, die nicht auf die Unterstützung eines bildungsnahen Elternhauses zählen können, werden während der Sekundarschulzeit gezielt auf den Gymnasiumseintritt hin unterstützt. Für die Jugendlichen bedeutet dies einen gewaltigen Zusatzaufwand: Jeden Mittwochnachmittag und etliche Samstage haben sie zusätzlich die Schulbank zu drücken. Erfreulich viel schaffen jedoch den Übertritt ins Gymnasium, und die Mehrheit von ihnen bleibt auch da.

Dieses Modell müsste vermehrt Schule machen. Wir können und dürfen es uns nicht leisten, das Potential von motivierten Jugendlichen mit Migrationshintergrund brach liegen zu lassen.

Der Beitrag des Kantons deckt nicht alle Kosten dieses Unterstützungsprojekts. Zuwendungen auf das Postkonto 80-2440-7 (Gymnasium Unterstrass, Zürich) sind gut investiert.

⇒ Link zum Förderprogramm ChagALL des Gymnasiums Unterstrass
⇒ Link zum Radiobeitrag vom 13.04.2012 (Radio DRS 1, Regionaljournal Zürich-Schaffhausen)
⇒ Artikel Tagesanzeiger vom 14. April 2012 (pdf, 0.3 MB)
⇒ Artikel Neue Zürcher Zeitung vom 14. April 2012 (0.3 MB)
Blogeintrag zum Projekt «ChagALL» Thematik vom Juni 2011

Förderdiagnostisches Praxismodell für die Sekundarstufe I

Roger Mäder und Jürg Senn arbeiten als Schulische Heilpädagogen an der Sekundarschule in Pratteln im Kanton Basel-Landschaft. Sie haben eine förderdiagnostische Konzeption erarbeitet, die bezüglich fachlicher Abstützung, Klarheit und Praxisfreundlichkeit ihresgleichen sucht.

Im Rahmen einer sorgfältig nachgeführten Internetseite stellen sie in verdankenswerter Weise alle Unterlagen gut dokumentiert frei zur Verfügung.

Auch wenn diese Konzeption für die Sekundarstufe I entwickelt wurde: Das Förderdiagnostische Praxismodell eignet sich durchaus auch für die Anwendung auf der Primarstufe.

Download der Präsentation (pptx, 9 MB) sowie des Handbuchs (pdf, 5 MB)

Unterrichtsentwicklung als Basis einer integrativen Schule: Chur macht’s vor

Es sind nicht immer die Zentrumsregionen, die im Bereich der Schulentwicklung eine Vorreiterrolle einnehmen. In Chur, der Hauptstadt des Gebirgskantons Graubünden, wird seit Jahren in professioneller und gleichzeitig pragmatischer Weise Schulentwicklung betrieben.

Ein Beispiel: Auf der Primarstufe wurde das «Churer Modell» entwickelt. Dieses hat zum Ziel, die Binnendifferenzierung im Unterricht auf vielfältige Weise umzusetzen. Dabei wurden unter anderem bewährte Elemente des Kindergartens für die Primarschule adaptiert. Der Unterricht besteht aus den Elementen
– Gemeinschaft (Rituale, im Kreis singen, sich austauschen, spielen),
– Kurs (Inputs im Kreis),
– Arbeit mit Lernangeboten (differenziert am Arbeitsplatz) sowie
– Freiarbeit (Arbeit an in individuellen Projekten, z.B. entlang der 7-Schritt-Methode).
Das Projekt wird sorgsam Schritt für Schritt auf immer mehr Klassen ausgeweitet. Es entwickelt sich sehr erfreulich.

In einem gut aufbereiteten, vierseitigen Papier wird der Weg zur Binnendifferenzierung in zehn Schritten vorgestellt (download pdf-Datei, 2.2 MB).
[Bildquelle: Stadtschulen Chur]

Kanton Zürich erlässt Sonderschulkonzept

Im November 2009 schickte die Bildungsdirektion ein umfassendes sonderpädagogisches Konzept in die Vernehmlassung. Aus verschiedenen Gründen fielen die Vernehmlassungsantworten kritisch aus, so dass die Bildungsdirektion diesen Konzeptvorschlag beerdigte (Download der Vernehmlassungsversion 2009; Link zu einem Blogeintrag zu dieser Thematik vom Juni 2010).

Aufgrund des Rückzugs der Schweizerischen Invalidenversicherung (IV) aus der Sonderschulfinanzierung braucht aber jeder Kanton ein genehmigtes Sonderschulkonzept, weil er sonst die IV-Regelungen weiterführen müsste. Das würde etliche Entwicklungen bremsen oder gar verunmöglichen. Die Bildungsdirektion des Kantons Zürich hat sich nun entschlossen, ein sehr knappes Konzept vorzulegen – aus der Überlegung heraus, dass die notwendigen Regelungen auf den Ebenen Gesetz und Verordnungen bereits bestehen.

Das neue Konzept umfasst lediglich vier Seiten – 51 Seiten weniger als der Vernehmlassungsentwurf 2009 – und wurde am 21. Dezember 2011 von der Bildungsdirektion verfügt. Es konzentriert sich auf die wichtigsten Angaben mit Verweisen zum Volksschulgesetz und den dazugehörigen Verordnungen
– zum Angebot der Sonderschulung,
– zu Bewilligungskriterien von Sonderschuleinrichtungen,
– zum Zuweisungsverfahren,
– zum Vorrang integrativer Lösungen
– sowie zur Finanzierung.

⇒ Download des neuen Sonderschulkonzepts

Best practice und konkrete Entwicklungshinweise:
Publikation «Schulische Integration gelingt»

ImageDie Autorenliste dieses im Dezember 2011 erschienen Buches (Herausgeber: Andrea Lanfranchi und Joseph Steppacher) liest sich – leicht übertrieben ausgedrückt – wie ein «Who is who» der Schweizerischen Sonderpädagogik, ergänzt durch namhafte Autorinnen und Autoren aus den deutschsprachigen Nachbarländern. Auf über 300 Seiten werden einerseits Grundlagen, Forschungsresultate und Gelingensbedingungen für die integrative Schule dargelegt. Andererseits sind Ausführungen zur Integration bei spezifischen Behinderungen enthalten – verfasst von Fachpersonen, die nicht einfach «darüber schreiben», sondern ihre konkreten Erfahrungen aus der Praxis weitergeben. Ein «Must», dieses Buch, das preislich erstaunlich fair daherkommt: CHF 28.90, €(D) 19.90, €(A) 20.50.

Ein Flyer mit Bestellmöglichkeit ist hier herunterladbar.

Das Inhaltsverzeichnis (mit allen Beiträgen und allen Autorinnen und Autoren) ist hier herunterladbar.

Zehn Gebote für eine gute Schule

Er hat 30 Jahre als Lehrer gearbeitet, davon 14 Jahre als Schulleiter. In dieser Zeit hat er nicht nur Entwicklungen angestossen, sondern auch Vieles erkämpft, ausgestanden, umgesetzt – nicht selten gegen massive Widerstände. Und er hat nie die Freude an der Entwickung einer guten Schule verloren.

Kurt Bannwart hat ihn zurecht erhalten, den «Bildungspreis 2011 der Pädagogischen Hochschule Zürich und der Stiftung Pestalozzianum». Der Preis wurde ihm im Rahmen des PHZH-Gründungstages vom 28. Oktober verliehen. Nach der gewohnt brillianten Laudatio von Prof. Jürgen Oelkers dankte Kurt Bannwart mit einer eindrücklichen Rede. Er fasste seine Erfahrungen in 10 Geboten zusammen, die er Studierenden und jungen Lehrkräften mit auf den Weg gab (download als pdf-Datei) Das Publikum reagierte berührt und fasziniert mit einer stehenden Ovation.

Hilfreiches Themenheft ‚Lernende Schule‘: «Auf dem Weg zur inklusiven Schule»

Kennen Sie die Zeitschrift «Lernende Schule – Für die Praxis pädagogischer Schulentwicklung»? Das letzte Themenheft «Auf dem Weg zur inklusiven Schule» lohnt sich besonders anzuschauen. Es enthält klar und undogmatisch verfasste Beiträge, die nah an der Praxis und deren Fragen sind. Ein Beispiel: Der «Wanderführer zu inklusiven Schulentwicklung» zeigt in zwölf Schritten auf, wie eine Schule dem Ziel der Inklusion näher kommen kann. Jeder Schritt ist mit erwachsenendidaktischen, einfach umsetzbaren Hinweisen und Materialien illustriert. Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis (pdf-Datei) macht hoffentlich Lust, sich mit diesem Themenheft näher zu befassen. Ein Auszug daraus:
GRUNDSÄTZLICHES UND STRITTIGES
– Inklusive Pädagogik: Eine Herausforderung für die Schulentwicklung
– Qualitätsmaßstäbe für inklusive Schulen
– Müssen Lehrkräfte ihr didaktisches Handeln verändern?
PRAXIS
– Auf dem Weg zu einer inklusiven Schule: Die IGS Hannover-Stücken, eine Schule für alle
– Kooperation im Unterricht konkret
– «Es gibt zu viele Schlupflöcher, der Inklusion zu entkommen»
WERKSTATT
– «Wanderführer» zur inklusiven Schulentwicklung
SCHULLEITUNGSBEILAGE
– Alle Schüler in den Blick nehmen und einen Rahmen für Inklusion schaffen: Materialien für einen Schulentwicklungsprozess

Man kann das Themenheft direkt beim Friedrich-Verlag als Einzelheft bestellen.

Auf dem Weg zur inklusiven Schule, Zs. Lernende Schule, Heft 55, 2011, 14. Jahrgang, Best.-Nr. 537055

Neues Standardwerk zum Thema Förderplanung erschienen

Gibt es nicht schon genügend Publikationen im Themenkreis der Förderdiagnostik und Förderplanung? Diese Frage ist deutlich zu verneinen, wenn man das eben erschienene Buch «Sonderpädagogische Förderung gemeinsam planen» vor sich hat. Es beginnt mit einer überzeugenden, gut verständlichen Begründung, weshalb Förderplanung von Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen nicht dem Zufall überlassen werden darf. Im Folgenden werden verschiedene konkrete Umsetzungsformen der Förderplanung aufgezeigt. Diese Darstellungen erfolgen entlang einer einheitlichen Struktur (Anwendungsbereich | Theoretischer Hintergrund | Struktur und Aufbau des Instruments | Technische Hinweise zum Instrument), was sich als hilfreich erweist und Vergleiche der Unterschiede, Stärken und Grenzen der Verfahren ermöglicht. Das Buch schliesst mit Konsequenzen und Erfordernissen für die Aus- und Weiterbildung.

Diese Publikation ist ein Gemeinschaftswerk von Fachpersonen verschiedener Fachhochschulen der deutschsprachigen Schweiz. Entstanden ist ein praxisorientiertes, fachlich überzeugendes Buch, das mit Sicherheit den Status eines Standardwerks einnehmen wird.

Bestell-Link zur PHZH, zu buch.ch und zu amazon.de

Luder, Reto; Gschwend, Raphael; Kunz, André; Diezi-Duplain, Peter (Hrsg.) (2011). Sonderpädagogische Förderung gemeinsam planen. Grundlagen, Modelle und Instrumente für eine interdisziplinäre Praxis. Zürich: Verlag Pastalozzianum an der Pädagogischen Hochschule Zürich (157 S.).

Eine gute Schule für alle kann auch über die «Begabtenschiene» entwickelt werden

Zuweilen wird man als realitätsfremden «pädagogischen Romantiker» belächelt, wenn man die Überzeugung vertritt, dass eine Schule mit differenzierenden und individualisierenden Angeboten lernschwachen und besonders begabten Schülerinnen und Schülern gleichermassen entgegen kommt. Ein Artikel in der ZEIT vom 21. Juli 2011 (Hilfe für Schlaue) berichtet über Schulen, die einen pädagogischen Entwicklungsprozess durchgemacht haben, um den Bedürfnissen von Kindern mit besonderen Begabungen besser entgegenkommen zu können. Es sind Elemente, die auch bei guten integrativen Schulen mit dem Fokus «Unterstützung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf» zu finden sind. Es wäre zu wünschen, dass diese Parallele breit erkannt wird – und dass es weder nötig noch sinnvoll ist, inklusive pädagogische Entwicklungen zugunsten der «Schwächeren» oder der «Stärkeren» gegeneinander auszuspielen.

«Wir alle in einer Klasse!»: Eine sehr empfehlenswerte Publikation

Geht die schulische Integration auf Kosten der normal- und hochbegabten Schülerinnen und Schüler?
Sind Schülerinnen und Schüler mit besonderem Bildungsbedarf oder einer Behinderung in integrativen Schulen sozial integriert?
Ist schulische Integration auf der Sekundarstufe I möglich?

Von diesen und sechs weiteren «FAQ’s» geht diese kompakte Broschüre aus. Der Autor Patrik Widmer-Wolf von der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz hat Forschungsresultate, Erfahrungsberichte und weitere relevante Materialien in Form einer gut lesbaren, kompakten Broschüre zusammengestellt. Jede Frage wird erläutert und mündet in einem zusammenfassenden Fazit.

Ich finde diese Publikation absolut empfehlenswert. Dass mir die Graphiken nicht so gut gefallen, schmälert deren Wert in keiner Weise. Sie kann hier für 15 Franken (zuzüglich Versandkosten) online bestellt werden.

Literaturangabe: Widmer-Wolf, Patrik (2011). Wir alle in einer Klasse! Heterogenität in Schule und Unterricht: Fragen – Erkenntnisse – Perspektiven. Fachhochschule Nordwestschweiz, Pädagogische Hochschule (Broschüler DIN A4, 28 Seiten).

Lehrvideos «Schulische Standortgespräche moderieren – (k)ein Kunststück!»

Steff Aellig, Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik, Zürich (HfH), hat mit Unterstützung von verschiedenen Personen (u.a. Reto Luder, Pädagogische Hochschule Zürich (PHZH), und Raphael Geschwend, pulsmesser.ch) kurze Lehrfilme zum Schulischen Standortgespräch produziert. Sehr anschaulich wird anhand von zwei konkreten Standortgesprächen gezeigt, wie dessen Ablauf aussieht, wie alle Beteiligten wirklich einbezogen werden können und worauf bei der Moderation zu achten ist.

Beispiel mit einem Schüler im Altersspektrum von 9 bis 16 Jahren: Link zu Teil 1Link zu Teil 2

Beispiel mit einer Schülerin im Altersspektrum von 4 bis 8 Jahren: Link zu Teil 1Link zu Teil 2

Bonus: Fragen und Antworten von Fachleuten

Nachtrag: Im September 2011 hat ein Team der Pädagogischen Hochschule Zürich ein 22-minütiges Video eines Schulischen Standortgespräches rund um einen Schüler der Sekundarstufe auf YouTube veröffentlicht.

Was sagen Oelkers, Schlüer und andere zum Thema schulische Integration?

Schulische Integration ist ein Thema, das auf unzähligen Ebenen (pädagogisch, ethisch, politisch, finanziell, organisatorisch …) Fragen aufwirft. Barbara Heuberger, Redaktorin bei der Zeitschrift «Kidy swissfamily» hat verschiedene Leute angefragt, eine persönliche Stellungnahme abzugeben:
– Katrin Meier, Präsidentin VPOD Lehrberufe
– Jürgen Oelkers, Professor für Allgemeine Pädagogik, Universität Zürich
– Peter Lienhard, Dozent an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik, Zürich
– Gérard Bless, Professor für Heilpädagogik, Universität Fribourg
– Heinz Bäbler, Präsident Schule und Elternhaus Schweiz
– Ulrich Schlüer, SVP-Nationalrat, Kanton Zürich

Dank der Knappheit der Stellungnahmen werden die unterschiedlichen Argumente / Gewichtigung / Haltungen gut nachvollziehbar auf den Punkt gebracht. Dadurch können sie vielleicht anregen, die eigene Postition zu reflektieren und zu schärfen.

Der Beitrag ist hier (pdf, 1.2 MB) herunterladbar (Zeitschrift «Kidy swissfamily», Juni 2011, S. 22-27).

Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf der Gymnasialstufe

Wenn von schulischer Integration die Rede ist, denkt in der Regel niemand an die Gymnasialstufe. Das Gymnasium Unterstrass («unterstrass.edu») in Zürich – eine traditionsreiche Institution, die seit dem Jahr 1869 Werteorientierung und Innovation unter einen Hut bringt – wollte sich nicht mit der Tatsache abfinden, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund viel zu selten die Hochschulreife schaffen. Vor einigen Jahren wurde deshalb das Projekt ChagAll (Chancengerechtigkeit durch Arbeit an der Lernlaufbahn) ins Leben gerufen. Begabte Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund können von Lehrpersonen der Sekundarstufe I gemeldet werden. Bei entsprechendem Potential und guter Eigenmotivation werden sie in ein Vorbereitungsprogramm aufgenommen. Die Schulzeit verbringen sie in regulären Gymnasialklassen und werden bedarfsorientiert durch einen Coach begleitet.

Ich konnte kürzlich persönlich Einblick nehmen und bin von diesem Projekt überzeugt und begeistert. Obwohl es durch namhafte Stiftungen wie Jacobs Foundation oder Stiftung Mercator Schweiz unterstützt wird, ist die gemeinnützige Schule unterstrass.edu darauf angewiesen, dass das Projekt durch Spenden aufrecht erhalten werden kann. Zuwendungen auf das Postkonto 80-2440-7 sind gut investiert.

Zwei Personen pro Klasse, weniger Verzettelung der Ressourcen

Marcel Bachmann, der neue Chef des Schulamts der Stadt Zürich, zeigt in einem Interview des ZLV-Magazins 1/2011 auf, wie er sich die Entwicklung «seiner» Schule vorstellt. Bachmanns Vision ist klar integrationsorientiert, aber frei von Dogamtismus. Mir gefällt seine Ansicht, dass die personellen Ressourcen der Schule nicht verzettelnd auf viele Personen verteilt werden sollen: Längerfristig sollen möglichst zwei Personen pro Klasse eingesetzt werden. Ich gehe mit ihm einig, dass damit eine der wichtigsten Säulen der Tragfähigkeit einer integrativen Schule gesetzt wird.

Integrative Schule im Gegenwind

In diesem Artikel (NZZ vom 12.02.2011; pdf, 0.3 MB) wird aufgezeigt, dass die Umsetzung einer integrativeren Volksschule in der Schweiz sehr unterschiedlich verläuft. Es gibt also offensichtlich erfolgreichere und ungünstigere Vorgehensweisen.

Unter anderem wird eine überaus absurde Entwicklung angesprochen, die derzeit in vielen Kantonen läuft: Etliche Kinder mit Beeinträchtigungen werden zu Sonderschülern umettikettiert. Vor allem «geistig behinderte» Kinder schiessen wie Pilze aus dem Boden. Es ist offensichtlich, aus welcher Motivation heraus dies geschieht: Jedes dieser Kinder löst Ressourcen aus, die der Regelschule zugute kommen. Das ist keine böse Absicht, sondern scheint darauf hinzuweisen, dass sich die Regelschule ohne diese Zusatzressourcen als zu wenig tragfähig einschätzt.

Es ginge auch anders: In den Grundstufenversuchen des Kantons ist grundsätzlich mehr Personal eingeplant: Über die meiste Zeit sind im Unterricht zwei Lehrpersonen anwesend. Die heilpädagogische Unterstützung erfolgt integrativ. Oft übernimmt die Fachperson in Schulischer Heilpädagogik auch die Deutschunterstützung für Fremdsprachige. So entstehen sinnvolle Pensen, die auf wenige Personen verteilt sind. Die wissenschaftliche Evaluation der Grundstufenversuche hat gezeigt, dass praktisch keine Kinder in eine Sonderklasse oder eine Sonderschule haben wechseln müssen … und weil dieses Schulmodell offenbar genügend tragfähig ist, mussten auch kaum Kinder künstlich zu Sonderschülern gemacht werden.

Dieses Prinzip könnte auf die ganze Volksschule ausgeweitet werden. In einer längeren Übergangsphase wäre zwar mit erheblichen Mehrkosten zu rechnen, weil eine Zeitlang ein gestärktes Regelklassensystem neben dem traditionellen Sonderschulsystem bestehen würde. Mehr und mehr würden jedoch einzelne Sonderschulplätze nicht mehr benötigt und könnten schrittweise abgebaut werden – mit gutem Gewissen und ohne ideologisch motivierten Zwang.

Dass ein solches System erfolgreich funktionieren kann, konnte ich in Neuseeland an verschiedenen Schulen beobachten: In jeder Klasse mehr als eine Lehrperson, differenzierte Unterrichtsformen, altersdurchmischtes Lernen, behinderungsspezifische Unterstützung von Fachstellen, flächendeckende Integration von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen.

N A C H T R A G : Leserbriefe (NZZ vom 16. und 17.02.2011) . Sie zeigen gut die grosse Bandbreite der Ansichten und Argumente dieser Thematik gegenüber auf.

Standortgespräche unter Einbezug jüngerer Schülerinnen und Schüler

Bei Standortgesprächen stellt sich immer die Frage, ob (und falls ja, ab welchem Alter) die Schülerin oder der Schüler selbst teilnehmen soll. Nicht selten wird davon abgesehen, weil die Gesprächsform «über den Kopf des Kindes hinweg» gestaltet wird.

Innovative Grundstufenlehrpersonen haben ein Verfahren entwickelt, um Standortgespräche mit Kindern ab dem Alter von rund sechs Jahren durchführen zu können. In der Zeitschrift «4bis8» ist ein entsprechender Artikel zu finden (Ausgabe Oktober 2010, Autorenteam R. Beck, K. Grundkötter, P. Lienhard, H. Schelbert). Die Materialien sind auf das im Kanton Zürich entwickelte Verfahren «Schulische Standortgespräche» abgestimmt.

Hilfsmaterialien zu diesen Gesprächen werden von den Entwicklerinnen und Entwicklern – besonders zu erwähnen sind Klaus Grundkötter [Text] und Christine Betschon [Bilder] – kostenlos zur Verfügung gestellt. Hier kann eine zip-Datei heruntergeladen werden, die auch eine Anleitung enthält. Kommentierte Referatsfolien können hier heruntergeladen werden.

Im Artikel «Damit alle vom Gleichen reden» (Zeitschrift 4bis8, Autorenteam Beck, Grundkötter, Lienhard & Schelbert) wird das Verfahren kurz und knapp erklärt.

Bild: Grundstufenlehrer Klaus-Peter Grundkötter führt mit einem Schüler ein vorbereitendes Standortgespräch durch. Erkennbar ist eine von mehreren Wort/Bildkarten sowie eine Smilie-Ratingskala.

Schulisches Standortgespräch für alle Schüler/innen einer Klasse?

Vorbemerkung: Dieser Blog-Beitrag wurde im Januar 2010 erstellt. Aufgrund positiver Rückmeldungen aus der Praxis habe ich den Beitrag nochmals etwas prominenter platziert.

Das Verfahren «Schulische Standortgespräche» wurde an der Volksschule des Kantons Zürich verbindlich eingeführt (Handreichung des Volksschulamtes des Kantons Zürich; Bezugsquelle der Broschüre: Lehrmittelverlag des Kantons Zürich). Es kommt immer dann zum Zug, wenn
– aus irgend einem Grund Bedarf nach einem strukturierten, vertieften Gespräch besteht,
– bei einer Schülerin oder einem Schüler ein besonderer Förderbedarf geprüft werden soll
– oder wenn bereits eine sonderpädagogische Massnahme durchgeführt wird.

Einige Schulen überlegen sich, ob das Verfahren in einer allenfalls leicht veränderter Form auch für jährliche Standortgespräche mit allen Schülerinnen und Schülern angewendet werden könnte … aus der Überlegung heraus, dass es eigentlich alle Kinder und Jugendlichen verdient haben, wenn man einmal pro Jahr ein individuumsbezogenes, zielorientiertes Gespräch durchführt. Hier stellt sich die Frage, ob leicht angepasste Protokollformulare sinnvoll wären. Hier findet man den Vorschlag eines solchen vereinfachten Protokollformulars. Es kann bei dieser Anwendungsform des Schulischen Standortgesprächs die zweite und dritte reguläre Protokollseite ersetzen.

Anregungen | Erfahrungs-Rückmeldungen | Anpassungsvorschläge sind willkommen.
Link zum Download des Formularvorschlags (Word)

Über diesen Link sind kommentierte Einführungs- und Vertiefungsreferate zum Schulischen Standortgespräch zu finden.

Integrations-Vorbild Neuseeland

Wenn der fünfte Geburtstag eines neuseeländischen Kindes naht, werden Schnupperaufenthalte in der Schule im Dorf oder im Stadtquartier, wo es wohnt, gemacht. Denn: Gleich am nächsten Tag nach seinem Geburtstag tritt das Kind in die Schule ein … ob das nun zu Beginn oder mitten im Schuljahr ist. Das gilt für sämtliche Kinder, auch für diejenigen mit einer Behinderung.

Kinder mit einer signifikanten Behinderung haben vorher meist heilpädagogische Früherziehung erhalten. Wenn nun dieses Kind in die Schule eintritt, werden die notwendigen Vorkehrungen getroffen: Ist ein Kind körperbehindert, werden wenn nötig Rampen und behindertengerechte Sanitärräume gebaut. Schulassistenzen werden organisiert – je nach Bedürfnis des Kindes mit geeigneten Vorkenntnissen. Behindertenspezifische Beratung, beispielsweise beim Vorliegen Sinnes- oder einer geistigen Behinderung, wird verbindlich geplant … und die Lehrpersonen machen gezielte Weiterbildungen, um auf die pädagogischen Bedürfnisse dieses Kindes vorbereitet zu sein. Beim Vorliegen einer Verhaltensauffälligkeit stehen im weiteren Verlauf regionale Beratungslehrpersonen zur Verfügung, um die Schule im Umgang mit diesem Kind zu beraten und zu unterstützen.

Alle diese Mehraufwendungen müssen bei einer nationalen Stelle beantragt werden und werden vom Staat finanziert. Die Schulen erhalten die entsprechenden Finanzen und haben recht grosse Freiheiten, wie sie diese einsetzen. So können auch in Dorfschulen passende personelle Lösungen gefunden werden.

Der Unterricht erfolgt in altersdurchmischten Gruppen und in differenzierter Art und Weise. Es gehört dazu, dass auf verschiedenen Niveaus gearbeitet wird. Die Kinder sind es gewohnt, allein und in Gruppen tätig zu sein. Die Lehrperson nimmt immer wieder eine Gruppe zusammen, um einen Lerninhalt einzuführen oder zu vertiefen. In den Klassen herrscht eine konzentrierte, aber doch entspannte Arbeitsatmosphäre.

Für Kinder mit Beeinträchtigung erstellt die Klassenlehrperson einen individuellen Förderplan. Sie wird dabei von behinderungsspezifischen Fachpersonen unterstützt. Standortgespräche werden halbjährlich durchgeführt.

Es ist faszinierend, was in einer Schule passiert, wenn keine Sonderschulen zur Verfügung stehen: Sie fühlt sich für alle Schülerinnen und Schüler verantwortlich und findet ganz selbstverständlich tragfähige Lösungen, die für mich als Aussenstehenden absolut überzeugend sind. Es tut gut, über den Grenzzaun zu blicken. Es ist so viel mehr möglich, als man sich das gemeinhin vorstellt …

Allgemeine Infos zur Sonderpädagogik in Neuseeland findet man hier.

Spezielle Informationen zu Richtlinien für die Integration, Kriterien zum Erhalt zusätzlicher Ressourcen, individuelle Erziehungspläne u.a.m. findet man hier.

Bildung grundlegend neu denken – Talk von Sir Ken Robinson

Die Talks von Ken Robinson mögen dann und wann etwas reisserisch daherkommen … eloquent reden ist eben häufig einfacher als das konkrete Tun … anregend sind sie aber auf jeden Fall.

In diesem Talk spricht Robinson, der für seine Verdienste von der Queen zum Ritter geschlagen wurde, über Bildungsreformen. Seiner Einschätzung nach stellen sie häufiger ein Flickwerk an einem überholten System denn eine wirkliche Erneuerung dar. Er plädiert für ein grundlegendes Neudenken des Bildungssystems, eine eigentliche «Bildungsrevolution». Diese Erneuerung falle aber schwer, weil in unserer Vorstellung vielschichtig verankert ist, wie Schule zu sein habe. Es gehe darum, sich zu erlauben, vermeintlich Unveränderliches in Frage zu stellen. Machen wir diesen Schritt nicht, wird sich die Schule immer stärker von den Kindern und Jugendlichen entfernen.

Über diesen Link kann man den gut 15-minütigen Talk anschauen. Untertitel in verschiedenen Sprachen können eingeblendet werden.

Sonderpädagogisches Konzept des Kantons Zürich wird nicht eingeführt

(Foto: NZZ) Die Bildungsdirektion des Kantons Zürich hat im November 2009 ein umfassendes Konzept in Vernehmlassung gegeben, das den sonderpädagogischen Bereich im Altersbereich von 0 bis 20 im Fokus hat. Die Hauptanliegen des Konzepts: Stärkung der Integrationsfähigkeit der Regelschule durch teilweise Ressourcenumlagerung aus dem Sonderschulbereich; mehr Handlungsspielraum für die Regelschulen beim Einsatz dieser Ressourcen; Wahrnehmung der von der Schweizerischen Invalidenversicherung (IV) an die Kantone übertragenen Verantwortung, das sonderpädagogische Angebot zu sichern und zu steuern.

Die Vernehmlassung hat gezeigt, dass wesentliche Elemente des Konzepts – unter anderem der Vorschlag, Sonderschulentscheidungen durch eine unabhängige kantonale Stelle überprüfen zu lassen – auf breite Ablehnung stiessen. Besonders negativ waren die Reaktionen angesichts des regierungsrätlichen Auftrags, parallel mit der Verstärkung der integrativen Förderung finanzielle Einsparungen zu machen.

An einer Medienkonferenz vom 11. Juni 2010 haben Regierungsrätin Regine Aeppli und Volksschulamtschef Martin Wendelspiess bekannt gegeben, dass auf eine Umsetzung dieses Konzepts verzichtet würde. Einzelne unbestrittene Elemente wie die Einführung eines Standardisierten Abklärungsverfahrens würden eingeführt. Versprochen wurde zudem die rasche Einführung von entlastenden und flexibilisierenden Massnahmen zugunsten der Regelschule.

Selbst wenn etliche der Einwände und Befürchtungen gut nachvollziehbar sind: Es ist schade, dass dieses Konzept keine Chance hatte. Offenbar konnte das in meinen Augen wichtigste Element – einen Teil der zunehmend aus dem Ruder laufenden Sonderschulressourcen vermehrt in der Regelschule vor Ort einzusetzen, um sie tragfähiger, flexibler und damit integrativer werden zu lassen – nicht nachvollziehbar und glaubhaft genug transportiert werden.

Viele Schulleitungen und Lehrpersonen, die hinsichtlich integrativer Schulmodelle bereits auf einem guten Weg sind, fühlen sich nun verunsichert. Für sie ist wichtig zu wissen, dass die bisher eingeführten Integrationsformen weitergeführt werden.

NZZ-Beitrag vom 12.11.2010 betreffend des «Wie weiter nach dem Rückzug des Konzepts» pdf 0.4 MB
Medienmitteilung pdf 0.1 MB | Präsentation der Medienmitteilung pdf 0.1 MB | Vernehmlassungsbericht pdf 0.2 MB
Artikel Neue Zürcher Zeitung pdf 0.4 MB | Artikel und Kommentar Tages-Anzeiger pdf 0.4 MB
Leserbriefe im Leserforum des Tages-Anzeigers pdf 0.2 MB | Leserbriefe in der Neuen Zürcher Zeitung pdf 0.4 MB
Interview Tages Anzeiger mit Jürg Forster, Leiter Schulpsychologischer Dienst der Stadt Zürich pdf 0.7 MB
Beitrag Radio DRS, Regionaljournal vom 11.06.2020, mit Interviewausschnitten mit RR R. Aeppli anhören
Artikel NZZ: Interviewteile mit Riccardo Bonfranchi (Leiter RGZ-HPS ZH) sowie Urs Strasser (Rektor HfH) pdf 0.3 MB
Artikel NZZ: Umsetzung der Integration an der Schule Wädenswil pdf 0.4 MB
Artikel Tages-Anzeiger (Mamablog vom 31.08.2010): Interview mit Regierungsrätin Regine Aeppli pdf 0.3 MB
DIE ZEIT, 19.08.2010): Interview mit Regierungsrätin Regine Aeppli pdf 0.3 MB

Ein Schüler mit Down-Syndrom in einer vierten Regelklasse – kann das gut gehen?

Die Integration von Kindern mit einer geistigen Behinderung in den Kindergarten ist in der Schweiz bereits relativ häufig anzutreffen. Oft erfolgt ein Wechsel in eine heilpädagogische Schule vor dem Eintritt in die Primarschule oder im Laufe der ersten drei Primarschulklassen. Das kann im Einzelfall eine sinnvolle und stimmige Lösung sein – es gibt aber auch gute Beispiele einer weiterführenden Integration, mit der alle Beteiligten zufrieden sind.

In einem kleinen Dorf im Bündner Oberland besucht ein Junge mit Down-Syndrom die vierte Klasse. Wenn man den Klassenlehrer, die Heilpädagogin, die Eltern und die koordinierende Fachperson des Sonderpädagogischen Kompetenzzentrums nach den Erfolgsfaktoren fragt, erhält man die folgenden Antworten:

– Die Integration wurde sorgfältig vorbereitet. Nicht nur die Schule und die Schulbehörde, auch die Eltern sämtlicher Kindergarten- und Primarschulkinder wurden frühzeitig und offen informiert. So konnten Fragen, Ängste und Bedenken, Ängste zur Sprache gebracht und offen diskutiert werden.

– Das gesamte Schulteam hat «Ja» zur Integration gesagt, nicht nur die zunächst betroffene Lehrperson. Es war von Anfang an allen bewusst, dass bei Lehrerwechseln, durch den Fachunterricht und bei klassenübergreifenden Aktivitäten sämtliche Lehrpersonen mit den integrierten Kindern zu tun haben. Auch die Schulbehörde stand und steht voll hinter dieser Entscheidung und stärkt auf diese Weise den Lehrpersonen den Rücken.

– Durch die Integration eines zweiten Kindes mit Sonderschulbedarf (2. Primarklasse) steht die Heilpädagogin insgesamt 18 Wochenlektionen zur Verfügung. Dank einer flexiblen Handhabung des Stundenplans für diese Kinder – sie werden überwiegend integriert in ihrer eigenen Klasse, teilweise gemeinsam in der Klasse eines der beiden Kinder, teilweise auch allein oder zu zweit separat gefördert – ist es möglich, sehr viele Lektionen mit heilpädagogischer Unterstützung zu versehen.

– Die Klassenlehrperson denkt bei der Unterrichtsvorbereitung bewusst mit, in welchen Phasen das Kind mit geistiger Behinderung vollständig gemeinsam mit der Klasse, in welchen themengleich-niveaudifferenziert und in welchen parallel mit separatem Stoffprogramm lernen soll. Die Heilpädagogin richtet ihre Unterstützung flexibel danach aus. Die grösstmögliche Teilnahme am gemeinsamen Unterricht hat immer höchste Priorität.

– Für das Stoffprogramm in denjenigen Fächern, in denen individuelle Lernziele gelten, ist die Heilpädagogin zuständig. Davon ist die Klassenlehrperson konsequent entlastet.

– Für die Eltern des Jungen ist zentral, nicht nur an ihr eigenes Kind, sondern an die ganze Schule zu denken. Es ist ihnen wichtig, dass alle Schülerinnen und Schüler, aber auch die Lehrpersonen zu ihrem Recht kommen, gute Lern- und Lehrbedingungen haben. Sie vereinbarten mit den Lehrpersonen und auch den anderen Eltern, dass bei aufkommenden Fragen oder Problemen sofort gegenseitig Kontakt aufgenommen wird. Auf diese Weise konnte erreicht werden, dass bisher alle Schwierigkeiten frühzeitig besprochen und gelöst werden konnten.

– Die koordinierende Fachperson des Sonderpädagogischen Kompetenzzentrums steht nicht nur für die halbjährlichen Standortbestimmungen zur Verfügung, sondern jederzeit – rasch und niederschwellig, wann immer sie gebraucht wird. Das gibt allen Beteiligten Sicherheit, Gelassenheit und Mut.

Über diesen Link lassen sich die aktuellen «Richtlinien zur Umsetzung der integrativen Sonderschulung im Kanton Graubünden (Januar 2010)» und weitere Informationen zur schulischen Integration im Kanton Graubünden herunterladen.

Integrative Schule … und was kommt dann? Schweden geht mit gutem Beispiel voran

Im Reichsgymnasium in Kristianstad wechseln sich ganz normale Gymnasialklassen ab mit Lerngruppen von Jugendlichen mit körperlicher Behinderung und solchen von Jugendlichen mit geistiger Behinderung … alles unter einem Dach.

Einige Worte zum Schulsystem in Schweden: Vom Vorkindergarten bis zum Abschluss der obligatorischen Schule lernen die Kinder und Jugendlichen grundsätzlich gemeinsam. Eine Aufteilung beispielsweise in verschiedene Schultypen auf der Sekundarstufe I gibt es nicht. Schülerinnen und Schüler mit Behinderung werden wenn möglich integrativ geschult. Es gibt aber auch Sonderschulen, wobei diese praktisch immer auf dem Gelände einer Regelschule angesiedelt sind. Die Eltern können wählen, ob ihr Kind integrativ oder separativ geschult werden soll.

Wie geht es nach dem Abschluss der obligatorischen Schule weiter? Die Mehrheit der Jugendlichen besucht das Gymnasium. Dieses hat in Schweden eine breitere Aufgabe als in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Die Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren können aus 17 unterschiedlichen Profilen auswählen. Die meisten Profile beinhalten eine berufliche Grundausbildung, zwei bereiten gezielt auf die Hochschulreife vor.

In diesem Umfeld macht die volle Integration von Jugendlichen mit geistiger Behinderung in diese Profilklassen wenig Sinn. Um dennoch eine grösstmögliche Integration verwirklichen zu können, sind Sonderschulklassen im «normalen» Gymnasiumsgebäude untergebracht. Spezialräume, Pauseneinrichtungen und die Mensa werden gemeinsam genutzt. Man sieht sich und man kennt sich. Wichtig ist die «Integration der Lehrpersonen»: Etliche von ihnen unterrichten sowohl in allgemeinen als auch in sonderpädagogischen Gymnasialklassen. Auf dem Bild (für Vergrösserung ins Bild klicken) ist ein Theaterpädagoge zu sehen. Hier arbeitet er mit Jugendlichen mit einer geistigen Behinderung, er führt aber auch Theaterprojekte mit anderen Gymnasialklassen durch.

Die Schule steht dazu, dass sich die Schülerinnen und Schüler in diesem Alter nicht mehr alle mit den gleichen Themen befassen. Das stelle aber die integrative Ausrichtungen während der Volksschule nicht in Frage … jede Lebensphase habe ihre Form, und die dürfe durchaus auch wechseln.

Die Schülerinnen und Schüler mit einer geistigen Behinderung können sich während ihrer Zeit im Gymnasium – wie alle anderen auch – auf eine berufliche Tätigkeit vorbereiten. Ein Profil weist in Richtung Gastronomie, eines fokussiert auf die Bereiche Hauswirtschaft und Textilien, ein weiteres auf einfache Tätigkeiten im Bereich Motorfahrzeugmechanik. Für alle Profile gibt es Folgeinstitutionen, die eine Mischung zwischen marktwirtschaftlichem Betrieb und geschütztem Arbeitsplatz darstellen. Für die kognitiv weniger leistungsfähigen Jugendlichen stehen geschützte Werkstätten zur Verfügung.

Körperbehinderte Jugendliche haben hier ideale infrastrukturelle Bedingungen (Hilfsmittel, bauliche Anpassungen, in die Schule integrierte Physiotherapie sowie wenn nötig assistierte Wohngemeinschaften). Alle können frei wählen, ob sie in einer Gymnasium-Grossklasse (mit Assistenz) oder in der speziellen Gruppe lernen wollen.

Weitere Informationen zur sonderpädagogischen Abteilung des Reichsgymnasiums Kristianstad

Sonderschule oder Regelschule? Diese Frage stellt sich im Südtirol nicht

Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass der Knabe mit der blau-weissen Windjacke in einer Sitzschale sitzt: Eine Cerebralparese bewirkt, dass seine Muskeln nicht immer dasjenige tun, was er von ihnen möchte. Er kann nicht gehen und das Sprechen fällt ihm etwas schwerer als seinen Kameradinnen und Kameraden (vergrösserte Ansicht: ins Bild klicken).

Die Frage, welche Art von Kindergarten dieser Junge besuchen soll, stellte sich nicht, weil die Alternative «Besuch einer Sonderschule» hier nicht existiert. Entsprechend wissen sämtliche Kindergärtnerinnen, Grundschul-Lehrpersonen und Lehrpersonen der Sekundarstufe I, dass sie mit allen möglichen Funktionseinschränkungen und Behinderungen konfrontiert sein können. Eine Kindergärtnerin: «Wir stellen uns frühzeitig darauf ein, wenn ein Kind mit Beeinträchtigung ins Kindergartenalter kommt. Selbstverständlich geht es nicht ohne fachspezifische Unterstützung und zusätzliches Personal. Wir erhalten beides, und wir besuchen spezifische Fortbildungen, je nach Art der Beeinträchtigung der entsprechenden Kinder.»

Diese Haltung der Selbstverständlichkeit hat mich als Besucher sehr beeindruckt: Herausforderungen werden angenommen und gemeinsam getragen. «Unsere Schule ist eine Schule für alle» ist als gelebter Leitsatz spürbar … und nicht etwa «das Weg ist das Ziel» (… mit «das Weg» meine ich «das Loswerden, das Weggeben aus der Regelklasse»).

In einem weiteren Kindergarten, etwas nördlicher im Vintschgau gelegen, wird ein gehörloses Mädchen mit CI-Versorgung integrativ gefördert. Um sie bei der Verankerung von Begriffen zu unterstützen, haben die Kindergärtnerinnen begonnen, systematisch Schriftbilder in den Alltag einzubauen: Ganze Dialoge sind in Wort und Bild auf Plakaten dargestellt. Inzwischen haben sie festgestellt, dass auch etliche der anderen Kindergartenkinder enorm davon profitieren …

Eine strukturierte Förderplanung – sie orientiert sich stark an der ICF – ist in der Provinz Bozen gut etabliert. Die Förderberichte, die ich in zwei unterschiedlichen Kindergärten zu sehen bekam, waren aussagekräftig und zielorientiert. Entsprechende Vorgaben, Handreichungen sowie fachliche Unterstützung werden von der Kindergartendirektion in Meran zur Verfügung gestellt.

Leider hatte ich keine Möglichkeit, eine Sekundarschule zu besuchen. Es wäre interessant gewesen, das Spannungsfeld inklusiver Bildung (soziale Teilhabe, adäquate Förderung, …) auch auf dieser Schulstufe kennen zu lernen.

Link zur Homepage des zuständigen Schulamtes

In Moldawien herrschen schwierige Bedingungen für die schulische Integration

Bevor ich die Republik Moldowa zum ersten Mal besuchte, wusste ich nicht einmal so recht, wo sie liegt: Westlich grenzt dieses Land, das kleiner ist als die Schweiz, an Rumänien. Nördlich, östlich und südlich ist es von der Ukraine umgeben. Das schwarze Meer ist nicht weit.
Bis zum Beginn der 90-er-Jahre war Moldawien Teil der UdSSR. Das Bildungssystem wurde nach sowjetischem Muster ausgerichtet und seither nicht wesentlich verändert. Wie jedes System hat auch dieses Vor- und Nachteile:
– Der Kindergarten und die Schule sind Lebensräume, die je nach Bedürfnissen der Eltern den ganzen Tag zur Verfügung stehen. Die Gemeinschaft wird gross geschrieben. Der Unterricht ist hoch strukturiert, was für einzelne Kinder einen hilfreichen Halt gibt. Einzelne Lehrpersonen sind pädagogisch sehr geschickt und machen zwar traditionellen, aber guten Unterricht.
– Der Unterricht ist darauf ausgerichtet, dass alle zur gleichen Zeit dasselbe tun. Kreativität hat ihren Platz nur in den dafür vorgegebenen Bahnen. Der Konkurrenzdruck ist allgegegenwärtig. Wer schwächer oder in irgend einer Weise „anders“ ist, hat einen schweren Stand. Es gibt zwar einen schulpsychologischen Dienst, doch scheint dieser vor allem die Funktion zu haben, dem Kind zu Systemkonformität zu verhelfen (… was in anderen Ländern ja nicht wirklich anders ist, jedoch nicht in so dominanter Art und Weise).

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist Moldawien zunehmend verarmt. Der Bereich der öffentlichen Bildung hat mit der Entwicklung von Subsystemen reagiert:
– Einzelne Volksschulen haben ein besonderes Profil, beispielsweise französische oder deutsche Kultur und Sprache als Schwerpunkt. Sie werden in Moldawien „Lyceum“ genannt. Auf dem Bild ist eine vierte Klasse eines solchen Lyceums zu sehen. Diese Schulen machen Eintrittstests mit Schulanfängern (Grundlagen des Lesens und Rechnens werden bereits im Kindergarten vermittelt). Lycenums-Volksschulen nehmen nur Kinder auf, die ihnen genügend leistungsfähig erscheinen. Wenn ein Kind später schlecht mitkommt, kann man (wenn die Lehrperson dazu bereit ist und die Eltern sich das leisten können) auf privater Basis bei der Klassenlehrperson (!) zusätzliche Einzelförderung einkaufen. Das ist ein willkommener Zustupf zum tiefen Lehrerlohn (umgerechnte ca. 300-350 € im Monat). Staatlich finanzierte Unterstützungsmassnahmen gibt es nicht. Darüber hinaus spenden die Eltern Geld in eine Schulkasse. Dafür kann sich die Schule zusätzliche Materialien kaufen, einen Mehrzweckraum renovieren oder einen Schulanlass finanzieren … und das Kind von spendefreudigen Eltern kann, so vermute ich stark, mit «angemesserenen» Schulnoten rechnen.
– Andere Volksschule nehmen theoretisch alle Kinder auf, aber auch sie machen Eintrittstests. Wer die Buchstaben nicht kennt oder vielleicht ein logopädisches Problem hat, kann eine Absage erhalten und ist damit vom Volksschulunterricht ausgeschlossen. In diesen Schulen ist (im Vergleich zu den Lycen) nicht nur die Durchmischung breiter und schwieriger; die Löhne der Lehrpersonen sind hier nochmals tiefer (ca. 250 €). Die Eltern dieser Schülerschaft können in der Regel auch weniger Geld „spenden“, weshalb diese Schulen zusätzlich schlechter gestellt sind.
– Schafft es ein Kind auch in einer solchen Schule nicht, wird es zuhause gelassen (die Familie bekommt für ein schwer behindertes Kind umgerechnte 30 € pro Monat … meist kann die Mutter nicht arbeiten gehen … entsprechend reicht dieses Geld nirgends hin), oder es kommt in ein Heim für behinderte Kinder. Hier sind die Kinder vollständig von ihrem bisherigen Umfeld abgeschnitten. Das Personal ist schlecht ausgebildet, miserabel bezahlt und entsprechend unmotiviert.

Ich hatte die Gelegenheit, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land verschiedene ärmere Famlien zu besuchen. Die Not ist unbeschreiblich. Oft leben ganze Familien in einem oder zwei kleinen Zimmern.

Dieses Mädchen ist körperlich behindert. Ihre Beine sind deformiert, die Arme gelähmt. Kognitiv ist sie nicht beeinträchtigt, im Gegenteil: Sie macht einen ausgesprochen aufgeweckten Eindruck. Sie malt mit dem Mund und mit seinem rechten Fuss. Aufgrund der körperlichen Behinderung ist sie jedoch von allen Bildungsangeboten ausgeschlossen – für Besucher aus der Schweiz eine schwierig zu verdauende Tatsache.

Die Hilfsorganisation „Green Cross Schweiz“ unterstützt Projekte zugunsten behinderter Kinder und Jugendlicher sowie benachteiligter Familien in Moldawien. Es werden in diesem Land besonders viele Kinder mit Missbildungen geboren, weil Moldawien vor rund 25 Jahren von einer Tschernobyl-Wolke überzogen wurde … und die damalige Regierung das Volk nicht gewarnt hat. So wurden zahlreiche Menschen nachhaltig radioaktiv kontaminiert und tragen ein geschädigtes Erbgut weiter.
Die Umsetzung von Unterstützungsprojekten ist nicht einfach, doch es gibt keine Alternative: Wenn man die Situation dieser Kinder und Familien verbessern will, braucht es ein klares Engagement.

Link zu Green Cross Schweiz
Link zur Partnerorganisation in Moldawien (Foundation Echo of Chernobyl)

Eine Schule, die Israel neue Hoffnung geben kann

Es war nicht das Bildungsministerium, das den Anstoss für die «Hand-in-hand» Schulen in Israel gegeben hat: Eltern jüdischer und arabischer Söhne und Töchter hatten die Idee, ihren Kindern eine gemeinsame Zukunft zu ermöglichen. Alles an dieser Schule ist bilingual und (zumindest) bikulturell, nicht nur die Schülerinnen und Schüler: Jede Klasse hat zwei Lehrpersonen, wobei die eine in arabischer und die andere in hebräischer Sprache unterrichtet. Selbst die Schulleitung ist doppelt besetzt. «Ich und meine Klasse» funktioniert an dieser Schule definitiv nicht mehr: Eine intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten ist unverzichtbar.

Die Kinder treten in der Regel ohne Kenntnisse der anderen Sprache in den Vorkindergarten ein. In den ersten Tagen suchten sie gemäss den Kindergärtnerinnen den Kontakt zu Gleichsprachigen und zur erwachsenen Person ihrer Sprache, aber schon nach einer Woche sei das vorbei: «Dann läuft die Kommunikation und das gemeinsame Spielen irgendwie wie von selbst.»

Freundschaften, so berichteten mir Schülerinnen und Schüler der oberen Klassen, würden sich in dieser Schule nach anderen Kriterien als «jüdisch» oder «arabisch» bilden. Gemeinsame Interessen sowie «einfach Sympathie eben» seien wichtiger.

Ich fragte den Schulleiter, wie der gesellschaftliche Support für diese Idee sei. «Leider nicht sehr gut». Das Ziel, arabischen Kindern und Jugendlichen Selbstbewusstsein und auch Leadership-Qualitäten zu vermitteln, wird von vielen Israeli nicht als erstrebenswert erachtet. «Wie tief diese Problematik sitzt, kann man daran erkennen, dass etliche jüdische Schülerinnen und Schüler auf Wunsch von deren Eltern die Schule nach der 6. oder 7. Klasse verlassen: Man wolle die Jungen und Mädchen für den kommenden «Ernst des Lebens» (Absolvieren des 2-jährigen [w] resp. 3-jährigen [m] Militärdienstes; jüdische Heirat) klar und ohne Irritationen vorbereiten. Die Idee der Hand-in-hand Schule scheint demnach für Etliche nur für die Kindheit, nicht aber fürs Erwachsenenalter gut zu sein.

Hier sind weitere Informationen über die «Hand In Hand» Schulen zu finden.

Zum Bild: Freundschaft eines jüdischen und eines arabischen Jungen. Rechts im Hintergrund ist schwach ein Schweizerkreuz zu erkennen: Dieses Schulgebäude ist massgeblich von der Schweizerischen Eidgenossenschaft, verschiedenen Kantonen und Schweizer Firmen finanziert worden.

Kinder von 3 bis 10 lernen gemeinsam

bildungshaus_experimentWir alle wissen es: Die Schwelle zwischen Vorschule und Schule ist eine künstliche. Nicht nur für Kinder mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen bildet sie oftmals eine zu starre, hinderliche und letztlich unnötige Hürde.

Was lässt sich tun? Die Grund- und Basisstufenversuche in verschiedenen Kantonen weisen in die richtige Richtung. Ein ebenso innovativer Weg wird im deutschen Bundesland Baden-Württemberg mit den «Bildungshäusern 3 bis 10» beschritten: Kindertagesstätten im Vorschulbereich kooperieren mit Grundschulen. Beide bilden konsequent altersdurchmischte Gruppen und pflegen offene Lernformen. Zu bestimmten Zeiten lernen die Vorschul- und die Schulkinder gemeinsam. Durchlässigkeit ist Programm. Das Projekt wird vom «Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen» ZNL in Ulm wissenschaftlich begleitet (u.a. arbeitet der Hirnforscher Prof. Manfred Spitzer dort).

Am 24. und 25. März 2010 wurden am ZNL erste, sehr ermutigende Evaluationsergebnisse im Rahmen einer Fachtagung präsentiert.

Hier sind nähere Informationen zum Projekt «Bildungshaus 3 – 10» zu finden.

Zum Bild: Gemeinsames Experimentieren in einem Bildungshaus im Bundesland Baden-Württemberg.

pRiMa-Initiative fördert durchlässige Schulungsformen im Einschulungsalter

Eigentlich wissen wir es längst: Das starre Schuleintrittsalter kommt den Entwicklungs- und Bildungsbedürfnissen vieler Kinder schlecht entgegen. Im Kindergarten «darf» man noch nicht richtig lesen und rechnen können … viele können es aber trotzdem: Margrit Stamm hat in ihren Studien nachgewiesen, dass beim Verlassen des Kindergartens 23% der Kinder bezüglich Rechnen und Lesen einen Wissensvorsprung von mindestens einem halben Jahr haben. Jedes zehnte Kind, das in die 1. Klasse eintritt, beherrscht bereits sämtliche Klassenlernziele der Fächer Deutsch und Mathematik.

Die Grundstufe und die Basisstufe ermöglichen durch ihre altersdurchmischte und zeitlich flexible Struktur, diese Nachteile in hohem Masse auszugleichen. Diese Schulungsform kommt mehr Kindern entgegen und ist dadurch integrativer als das konventionelle Jahrgangsklassenmodell «Kindergarten / 1. Klasse».

Im Kanton Zürich unterstützt die pRiMa-Initiative die nachhaltige Verbreitung dieser Schulungsform. Es lohnt sich, diese Initiative mit seiner Unterschrift oder auch andersweitig zu unterstützen. Link zur Homepage der Prima-Initiative (… manchmal braucht es zwei Klicks auf den Link, bis die Seite geladen wird, weiss der Geier warum)

Tagung «Integration gelingt!»

Die Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik Zürich (HfH) führt am 19. und 20. März 2010 eine Tagung zum Thema «Integration gelingt! – Bewährtes bewahren, Neues entwickeln» durch. Geboten werden zahlreiche Referate und praxisorientierte Workshops (Link zu weiteren Informationen).

Nachtrag vom 17. Februar 2010:
Das Interesse an dieser Tagung ist offenbar sehr gross. Sie ist leider bereit ausgebucht.

Schaffen wir die Integration?

Am 20. November 2009 hat die Stiftung Pestalozzianum ein Podium zum Thema «Schaffen wir die Integration?» durchgeführt. Über diesen Link sind die Referate auf Vido einsehbar (je 10 bis 15 Minuten).

Roger de Weck bezeichnet sich zwar als «Nicht-Experte» der Integrationsthematik. Es lohnt sich trotzdem, ihm eine Viertelstunde lang zuzuhören. Unter anderem reflektiert de Weck in brillanter Weise die aktuelle Mediengesellschaft und appeliert an die Pädagogik, diese nicht nachzuäffen. Weiter diskutiert er drei wesentliche Pfeiler der Integration: Rückscht, Weitsicht und Einsicht.

Winfried Kronig referiert seine bekannten Forschungsresultate bezüglich der erstaunlich unplausiblen Selektionsunterschiede in unterschiedlichen Kantonen – wie gewohnt sehr unterhaltsam.

Die Bildungsforscherin Gita Steiner-Khamsi fokussiert u.a. auf die Entwicklung der Interkulturellen Pädagogik und auf das Phänomen, dass immer mehr sonderpädagogische Angebote genutzt werden. Für sonderpädagogische Insider bringt dieser Input wenig Neues.

Anschliessend sind Kurz-Statements zum Thema «freie Schulwahl» abrufbar. Es äussern sich Jacqueline Fehr, Lucien Criblez, Filippo Leutenegger und Margarita Müller. Wer die wichtigsten Argumente pro und contra kennenlernen will, wird hier gut bedient.