Posts tagged ‘Basisstufe’

Kontradiktorische Gesprächssendung zu schulischer Integration

2015_09_forum_srfAuf Radio SRF 1 wurde am 25.09.2015 eine Diskussionssendung zum Thema schulische Integration ausgestrahlt. Der Moderator Christian von Burg sprach mit den folgenden Gästen im Studio:
– Petra Lüthi, Mutter eines Kindes mit Trisomie 21
– Roland Stark, ehemaliger Kleinklassenlehrer
– Peter Lienhard, Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik
In die knapp einstündige Live-Sendung wurden sowohl Aussagen aus einem Online-Forum als auch Telefonanrufe von Zuhörenden zugeschaltet.

Der Gesprächsverlauf zeigt die Grenzen solcher Sendungen auf: Man wird eingeladen, weil man zu einer bestimmten Überzeugung neigt (im vorliegenden Fall kam mir die Rolle des Integrations-Befürworters zu). Die Rollenzuschreibungen sowie die Tatsache, dass die enorm komplexe Thematik für eine breite Zuhörerschaft nur bedingt in der notwendigen Klarheit und Differenziertheit dargestellt werden kann, hinterlässt ein etwas schales Gefühl. Ich habe jedoch die Gesprächsführung und die Gesprächskultur am Studiotisch durchaus als positiv erlebt.

Das Gespräch wurde in Deutschschweizer Dialekt geführt. Die Sendung ist wie folgt zugänglich:
Link zu srf 1 (Informationen, online-hören, Download als Podcast)
– direkter Download als mp3-Datei (53 MB)

Stein um Stein – ein empfehlenswertes Instrumentarium zur Lernstandserfassung im Kindergarten

stein_um_steinAlljährlich nach den Sommerferien: Zur Kindergartenklasse stossen rund zehn «Kleine» hinzu. Alle Kindergärtnerinnen und Kindergärtner wissen um die enorme Heterogenität bezüglich Entwicklungsstand und Kompetenzen dieser Kinder. Zusammen mit der Fachperson für Schulische Heilpädagogik gilt es, sich innert nützlicher Zeit ein Bild darüber zu machen, welche Kinder in ihrer Lernentwicklung auf besondere Unterstützung angewiesen sind.

Theres Züst, Heidi Manzanell und Conny Solcà Porcedda haben im Rahmen einer Masterarbeit an der HfH ein Instrumentarium entwickelt, das rasch, praxisnah und fachlich überzeugend einen Überblick über die Kompetenzen der einzelnen Kinder geben kann. Eingebettet in eine Zwergengeschichte werden im Rahmen einer Werkstatt mit der ganzen Klasse verschiedene Aufgaben gelöst. Dabei helfen mehrere Hilfsmittel (z.B. Werkstattpass, Klassenraster) den Überblick zu behalten. Das Instrument ist theoretisch gut abgestützt und entlang der ICF-basierten Lebensbereichen des Verfahrens «Schulische Standortgespräche» gegliedert.

Das Instrumentarium liegt inzwischen in der 3., überarbeiteten Auflage vor. Es ist im Eigenverlag der Autorinnen erschienen und kann bei Heidi Manzanell oder Conny Solcà Poercedda bezogen werden (CHF 57 inkl. Porto & Verpackung). Einführungen ins Instrumentarium durch die Autorinnen (halb- oder ganztags) sind auf Anfrage möglich.

Weniger Lehrpersonen pro Klasse: Bildungsdirektion des Kantons Zürich startet Projekt

zwei_lp_pro_klasse[Bild: NZZ] Es ist unbestritten: Die Anzahl an Lehrpersonen auf der Kindergarten- und Primarstufe hat sich in den vergangenen Jahren laufend erhöht. Verschiedene Gründe sind dafür verantwortlich: Stellenteilungen aufgrund des Wunsches nach Teilzeitpensen, der Einsatz von Fachlehrpersonen sowie der Beizug von Lehrpersonen mit Spezialfunktionen wie Integrative Förderung [IF] oder Deutsch als Zweitsprache [DaZ]). Damit werden die Schnittstellen aufwändiger. Die Klarheit, wer wofür verantwortlich ist, kann leiden.

Vor diesem Hintergrund lanciert die Bildungsdirektion des Kantons Zürich ein Projekt unter der Bezeichnung «Fokus Starke Lernbeziehung». Möglichst viele Spezialfunktionen (u.a. IF, DaZ, Begabtenförderung sowie teilweise auch Therapien) sollen integral von zwei Lehrpersonen übernommen werden. Die Bündelung dieser Ressourcen macht es möglich, dass in vielen Lektionen zwei Lehrpersonen gemeinsam eine Klasse unterrichten werden. Fehlendes Fachwissen soll innerhalb der Schule durch Beratung gesichert werden. Gemäss Projektbeschrieb sollen damit folgende Zielsetzungen erreicht werden:
– pädagogisch (konstantere Lehr-Lern-Beziehung, verbesserte Beziehungsqualität)
– schulorganisatorisch (einfachere Personal- und Stundenplangestaltung, weniger Organisations- und Koordinationsaufwand)
– schulförderlich (Verstärkung der Kompetenzen der Lehrpersonen, mehr fachlicher Austausch, Konzentration auf das pädagogische Kerngeschäft)

Die Idee leuchtet ein: Die Aufsplitterung des (sonder-)pädagogischen Auftrags auf zu viele Personen ist für alle Beteiligten unbefriedigend – nicht zuletzt für die betroffenen Schülerinnen und Schüler. In diesem Zusammenhang möchte ich an die Evaluation des (leider bald der Vergangenheit angehörenden) Grundstufenprojekts erinnern: Sie hat nachgewiesen, dass ein gemeinsam verantworteter Unterricht mit zeitlich hoch dotiertem Teamteaching die Tragfähigkeit der pädagogischen Situation deutlich erhöht. Ich empfinde es deshalb als bitter, dass ein Schulmodell beerdigt werden muss, das Kernelemente des neuen Projekts «Fokus Starke Lernbeziehung» erfolgreich umsetzt.

Dieses Projekt wirft aber auch gewichtige Fragen auf: Gelingt es, das Know-how der Lehrpersonen mit Spezialfunktionen – sie werden teilweise in einzelnen Klassen arbeiten, teilweise beratend tätig sein – in die Klassen und an die Schülerinnen und Schülern zu bringen? Erfolgt durch die Stärkung des Generalistentums eine Verflachung oder gar ein Verlust spezifischer Fähigkeiten und Fertigkeiten im Schulteam?

Ich bin gespannt, wie sich die Umsetzung des Projekts entwickelt, und ich erachte es als positiv, dass die Bildungdirektion grossen Wert auf dessen Begleitung und Evaluation legt. Neben strukturellen und schulorganisatorischen Fragen geht es schliesslich darum, ob der Bildungsauftrag der Volksschule in diesem Modell mindestens gleich gut umgesetzt werden kann wie in den derzeit gelebten Settings – zugunsten aller Schülerinnen und Schüler, ob mit oder ohne besonderem Förderbedarf.

Artikel der NZZ vom Do, 24.01.2013
Projektseite der Bildungsdirektion des Kantons Zürich
Video der Medienkonferenz mit Regine Aeppli (Bildungsdirektorin), Stefan Fritschi (Stadtrat Winterthur) sowie bei der Fragenbeantwortung zusätzlich Martin Wendelspiess (Chef Volksschulamt)
Medienmitteilung der Bildungsdirektion des Kantons Zürich

Klein und innovativ: Liechtenstein präsentiert «Gesamtkonzept Fördermassnahmen»

Wissen Sie, wie sich das pädagogische und sonderpädagogische Angebot im Fürstentum Liechtenstein präsentiert? Nein? Dann sind Sie nicht allein.

Weitgehend unbeachtet von einer breiteren (schweizerischen) Öffentlichkeit wurden im Fürstentum Liechtenstein viele wichtige Entwicklungen im Bildungswesen früh, professionell und konsequent angegangen: Seit mehr als 20 Jahren gilt in der Regelschule das Prinzip der integrativen Förderung; in einzelnen Gemeinden wurden die Basisstufe, weitere altersdurchmischte Schulmodelle und Tagesschulen eingeführt; sonderpädagogische Massnahme einschliesslich Begabtenförderung stehen den Regelschulen im Rahmen eines Kontingents zur Verfügung; die Zuweisung zu verstärkten Massnahmen erfolgt entlang des «Standardisierten Abklärungsverfahrens» … um nur einige Punkte zu nennen.

Die Pädagogische Arbeitsstelle des Schulamts stellt nun alle diese Entwicklungen im Gesamtkonzept «Fördermassnahmen im liechtensteinischen Bildungswesen» dar. Was gefällt mir an diesem Konzept besonders? Es ist schlank gehalten und sehr verständlich geschrieben. Wer sich in eine bestimmte Thematik vertiefen will, wird auf die entsprechenden Dokumente verwiesen. Hilfreich ist die Orientierung nach Farben (siehe Puzzleteile auf dem Bild), so dass die einzelnen Massnahmen textlich jederzeit dem entsprechenden Bereich zugeordnet werden können. Und schliesslich gefällt mir, dass die Terminologie konsequent dem Sonderpädagogik-Konkordat der EDK folgt – obwohl das Fürstentum Liechtenstein (noch) nicht beigetreten ist.

Selbstverständlich: Auch im Ländle kocht man nur mit Wasser. Aber man tut es professionell: Im Fürstentum Liechtenstein sind verschiedene Entwicklungen bereits etabliert, die in verschiedenen Kantonen noch veritable Baustellen sind. Ein Blick dieser Kantone über den östlichen Rhein könnte sich deshalb lohnen.

Homepage des Schulamtes im Fürstentum Liechtenstein
Link zum Download des «Gesamtkonzepts Fördermassnahmen»

Zweimal Ja für die Grundstufe

In der Grundstufe sind die beiden Kindergartenjahre und die 1. Klasse zusammengefasst. Im Kanton Zürich haben sich 27 Schulgemeinden mit 87 Klassen entschlossen, dieses Schulmodell einzuführen.

Die Vorteile der Grundstufe liegen auf der Hand: In der altersdurchmischten Lerngruppe kann viel besser auf die unterschiedlichen Lerntempi der Kinder eingegangen werden. Eine breit durchgeführte Evaluation hat auch bestätigt, dass viel weniger Schüler/innen wegen Lernproblemen ausgesondert werden müssen – vor allem, weil die bisherige starre Schwelle zwischen Kindergarten und erster Klasse flexibler gehandhabt werden kann. Rasche Lerner können die Grundstufe in zwei Jahren durchlaufen. Wenn ein Kind mehr Zeit braucht, durchläuft es die Grundstufe in vier Jahren. Einschulungsklassen werden mit diesem Modell überflüssig. Die Grundstufe ist kindgerecht und integrativ.

Im Kanton Zürich wird am 25. November 2012 über zwei Vorlagen abgestimmt, welche die Grundstufe betreffen: Die «prima-Initiative» sieht eine flächendeckende Einführung dieses Modells vor. Ein regierungsrätlicher Gegenvorschlag will den Gemeinden die Wahl zwischen Kindergarten/1. Klasse und Grundstufe lassen.

Es spricht für sich: Kaum eine Grundstufen-Gemeinde will diese Schulform wieder aufgeben. Es handelt sich offensichtlich um ein Erfolgsmodell. Das möchte eine Vereinigung unter der Bezeichnung «Offenes Schulforum kindgerechte Schule» nicht wahrhaben. Ein Zitat aus dem «grossen Argumentarium», das auf ihrer Homepage heruntergeladen werden kann: «Die Kinder [in der Grundstufe] sitzen hauptsächlich am Tisch und arbeiten nach Vorlagen. Die reiche Spielumgebung ist ein Schulzimmer mit Gestellen voll von Ordnern und Förderspielen. Das gemütvolle, kindgemässe Erzählen mit unterschiedlichen Materialien wird zur Anweisung um Aufgaben auszuführen. Rituale haben keinen Platz mehr. Das selbst bestimmte Spiel und ein reichhaltiges Bewegungsangebot existiert nicht mehr.» Alle, die schon Einblick in eine Grundstufe genommen haben, entlarven diese Äusserungen als hilflose Unterstellung ohne Realitätsbezug. Ich empfinde dieses Argumentationspapier als ärgerlich und unfair.

Wer sich selbst ein Bild über die Arbeit in der Grundstufe machen will, kann über die Homepage der prima-Initiative einen Schulbesuch in einer Grundstufe in Wetzikon, Winterthur oder der Stadt Zürich vereinbaren.

Zwei lohnende Beiträge aus der NZZ vom 17.11.2012, verfasst von Walter Bernet
Artikel über die Grundstufe Elsau im Tages Anzeiger vom 10.11.2012
Interview pro und contra (Karin Maeder, Gabi Fink) im Tages Anzeiger vom 3.11.2012
Artikel NZZ vom 1. November 2012 «Putsch im Chindsgi»
Link zu einem Artikel auf TA-online vom 19.10.2012
Link zu einem Artikel auf NZZ-online vom 24.10.2012
[Bild: www.schule-sternenberg.ch]

Formulare für das Verfahren «Schulische Standortgespräche» liegen in aktualisierter Form vor

Die Bildungsdirektion des Kantons Zürich hat die Formulare für das Verfahren «Schulische Standortgespräche» (SSG) neu aufgelegt und online gestellt. Sie sind als einzelne pdf-Dokumente auf der Homepage des Zürcher Volksschulamts (VSA) herunterladbar.

Weil etliche Formulare in zehn Sprachen zur Verfügung stehen, ergeben sich gegen hundert Einzeldateien. Ich habe alle heruntergeladen und in einem zip-Ordner (9.6 MB) zusammengefasst.

Die Formulare sehen nach wie vor gleich aus. Inhaltlich wurden nur kleine begriffliche Optimierungen vorgenommen. Neu sind die Formulare durchnummeriert: Hauptorientierung Primar-Sek ⇒ Formular Nr. 1; Hauptorientierung Kindergarten ⇒ Formular Nr. 2; Hauptorientierung: Grundstufe ⇒ Formular Nr. 3; so genanntes «Basisformular», das für Kinder und Jugendliche mit erheblichen kognitiven Beeinträchtigungen verwendet werden kann, wenn die übrigen Formulare einen zu hohen Kompetenzgrad ansprechen ⇒ Formular Nr. 4 (dieses Formular ist eine Neuentwicklung).

Das VSA hat sich für Nummern entschieden, weil auf diese Weise z.B. das Grundstufenformular bei einem Schüler mit geistiger Behinderung in der 4. Klasse angewendet werden kann, ohne dass unten am Blatt «Vorbereitungsformular Grundstufe» steht . . . es ist nun einfach mit «Volksschule 3» bezeichnet.

Zusätzlich wurden neu auch Formulare für den Frühbereich entwickelt. Diese sollen von der HFE-Fachperson dann zur Anwendung kommen, wenn der Eintritt ins obligatorische Bildungssystem (Kindergarten oder Grundstufe) ansteht.

Lehrvideos «Schulische Standortgespräche moderieren – (k)ein Kunststück!»

Steff Aellig, Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik, Zürich (HfH), hat mit Unterstützung von verschiedenen Personen (u.a. Reto Luder, Pädagogische Hochschule Zürich (PHZH), und Raphael Geschwend, pulsmesser.ch) kurze Lehrfilme zum Schulischen Standortgespräch produziert. Sehr anschaulich wird anhand von zwei konkreten Standortgesprächen gezeigt, wie dessen Ablauf aussieht, wie alle Beteiligten wirklich einbezogen werden können und worauf bei der Moderation zu achten ist.

Beispiel mit einem Schüler im Altersspektrum von 9 bis 16 Jahren: Link zu Teil 1Link zu Teil 2

Beispiel mit einer Schülerin im Altersspektrum von 4 bis 8 Jahren: Link zu Teil 1Link zu Teil 2

Bonus: Fragen und Antworten von Fachleuten

Nachtrag: Im September 2011 hat ein Team der Pädagogischen Hochschule Zürich ein 22-minütiges Video eines Schulischen Standortgespräches rund um einen Schüler der Sekundarstufe auf YouTube veröffentlicht.

Integrative Schule im Gegenwind

In diesem Artikel (NZZ vom 12.02.2011; pdf, 0.3 MB) wird aufgezeigt, dass die Umsetzung einer integrativeren Volksschule in der Schweiz sehr unterschiedlich verläuft. Es gibt also offensichtlich erfolgreichere und ungünstigere Vorgehensweisen.

Unter anderem wird eine überaus absurde Entwicklung angesprochen, die derzeit in vielen Kantonen läuft: Etliche Kinder mit Beeinträchtigungen werden zu Sonderschülern umettikettiert. Vor allem «geistig behinderte» Kinder schiessen wie Pilze aus dem Boden. Es ist offensichtlich, aus welcher Motivation heraus dies geschieht: Jedes dieser Kinder löst Ressourcen aus, die der Regelschule zugute kommen. Das ist keine böse Absicht, sondern scheint darauf hinzuweisen, dass sich die Regelschule ohne diese Zusatzressourcen als zu wenig tragfähig einschätzt.

Es ginge auch anders: In den Grundstufenversuchen des Kantons ist grundsätzlich mehr Personal eingeplant: Über die meiste Zeit sind im Unterricht zwei Lehrpersonen anwesend. Die heilpädagogische Unterstützung erfolgt integrativ. Oft übernimmt die Fachperson in Schulischer Heilpädagogik auch die Deutschunterstützung für Fremdsprachige. So entstehen sinnvolle Pensen, die auf wenige Personen verteilt sind. Die wissenschaftliche Evaluation der Grundstufenversuche hat gezeigt, dass praktisch keine Kinder in eine Sonderklasse oder eine Sonderschule haben wechseln müssen … und weil dieses Schulmodell offenbar genügend tragfähig ist, mussten auch kaum Kinder künstlich zu Sonderschülern gemacht werden.

Dieses Prinzip könnte auf die ganze Volksschule ausgeweitet werden. In einer längeren Übergangsphase wäre zwar mit erheblichen Mehrkosten zu rechnen, weil eine Zeitlang ein gestärktes Regelklassensystem neben dem traditionellen Sonderschulsystem bestehen würde. Mehr und mehr würden jedoch einzelne Sonderschulplätze nicht mehr benötigt und könnten schrittweise abgebaut werden – mit gutem Gewissen und ohne ideologisch motivierten Zwang.

Dass ein solches System erfolgreich funktionieren kann, konnte ich in Neuseeland an verschiedenen Schulen beobachten: In jeder Klasse mehr als eine Lehrperson, differenzierte Unterrichtsformen, altersdurchmischtes Lernen, behinderungsspezifische Unterstützung von Fachstellen, flächendeckende Integration von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen.

N A C H T R A G : Leserbriefe (NZZ vom 16. und 17.02.2011) . Sie zeigen gut die grosse Bandbreite der Ansichten und Argumente dieser Thematik gegenüber auf.

Standortgespräche unter Einbezug jüngerer Schülerinnen und Schüler

Bei Standortgesprächen stellt sich immer die Frage, ob (und falls ja, ab welchem Alter) die Schülerin oder der Schüler selbst teilnehmen soll. Nicht selten wird davon abgesehen, weil die Gesprächsform «über den Kopf des Kindes hinweg» gestaltet wird.

Innovative Grundstufenlehrpersonen haben ein Verfahren entwickelt, um Standortgespräche mit Kindern ab dem Alter von rund sechs Jahren durchführen zu können. In der Zeitschrift «4bis8» ist ein entsprechender Artikel zu finden (Ausgabe Oktober 2010, Autorenteam R. Beck, K. Grundkötter, P. Lienhard, H. Schelbert). Die Materialien sind auf das im Kanton Zürich entwickelte Verfahren «Schulische Standortgespräche» abgestimmt.

Hilfsmaterialien zu diesen Gesprächen werden von den Entwicklerinnen und Entwicklern – besonders zu erwähnen sind Klaus Grundkötter [Text] und Christine Betschon [Bilder] – kostenlos zur Verfügung gestellt. Hier kann eine zip-Datei heruntergeladen werden, die auch eine Anleitung enthält. Kommentierte Referatsfolien können hier heruntergeladen werden.

Im Artikel «Damit alle vom Gleichen reden» (Zeitschrift 4bis8, Autorenteam Beck, Grundkötter, Lienhard & Schelbert) wird das Verfahren kurz und knapp erklärt.

Bild: Grundstufenlehrer Klaus-Peter Grundkötter führt mit einem Schüler ein vorbereitendes Standortgespräch durch. Erkennbar ist eine von mehreren Wort/Bildkarten sowie eine Smilie-Ratingskala.

Kinder von 3 bis 10 lernen gemeinsam

bildungshaus_experimentWir alle wissen es: Die Schwelle zwischen Vorschule und Schule ist eine künstliche. Nicht nur für Kinder mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen bildet sie oftmals eine zu starre, hinderliche und letztlich unnötige Hürde.

Was lässt sich tun? Die Grund- und Basisstufenversuche in verschiedenen Kantonen weisen in die richtige Richtung. Ein ebenso innovativer Weg wird im deutschen Bundesland Baden-Württemberg mit den «Bildungshäusern 3 bis 10» beschritten: Kindertagesstätten im Vorschulbereich kooperieren mit Grundschulen. Beide bilden konsequent altersdurchmischte Gruppen und pflegen offene Lernformen. Zu bestimmten Zeiten lernen die Vorschul- und die Schulkinder gemeinsam. Durchlässigkeit ist Programm. Das Projekt wird vom «Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen» ZNL in Ulm wissenschaftlich begleitet (u.a. arbeitet der Hirnforscher Prof. Manfred Spitzer dort).

Am 24. und 25. März 2010 wurden am ZNL erste, sehr ermutigende Evaluationsergebnisse im Rahmen einer Fachtagung präsentiert.

Hier sind nähere Informationen zum Projekt «Bildungshaus 3 – 10» zu finden.

Zum Bild: Gemeinsames Experimentieren in einem Bildungshaus im Bundesland Baden-Württemberg.

pRiMa-Initiative fördert durchlässige Schulungsformen im Einschulungsalter

Eigentlich wissen wir es längst: Das starre Schuleintrittsalter kommt den Entwicklungs- und Bildungsbedürfnissen vieler Kinder schlecht entgegen. Im Kindergarten «darf» man noch nicht richtig lesen und rechnen können … viele können es aber trotzdem: Margrit Stamm hat in ihren Studien nachgewiesen, dass beim Verlassen des Kindergartens 23% der Kinder bezüglich Rechnen und Lesen einen Wissensvorsprung von mindestens einem halben Jahr haben. Jedes zehnte Kind, das in die 1. Klasse eintritt, beherrscht bereits sämtliche Klassenlernziele der Fächer Deutsch und Mathematik.

Die Grundstufe und die Basisstufe ermöglichen durch ihre altersdurchmischte und zeitlich flexible Struktur, diese Nachteile in hohem Masse auszugleichen. Diese Schulungsform kommt mehr Kindern entgegen und ist dadurch integrativer als das konventionelle Jahrgangsklassenmodell «Kindergarten / 1. Klasse».

Im Kanton Zürich unterstützt die pRiMa-Initiative die nachhaltige Verbreitung dieser Schulungsform. Es lohnt sich, diese Initiative mit seiner Unterschrift oder auch andersweitig zu unterstützen. Link zur Homepage der Prima-Initiative (… manchmal braucht es zwei Klicks auf den Link, bis die Seite geladen wird, weiss der Geier warum)