Posts tagged ‘Diagnostik’

Geniales Erklärvideo zu den SSG-Spickzetteln

Im letzten Blog-Eintrag wurde das praktische Hilfmittel SSG-Spickzettel vorgestellt. Nun hat das Schulamt der Stadt Zürich nochmals nachgelegt: Es hat ein genial gemachtes Erklärvideo entwickelt und zur freien Verfügung gestellt. Das Video zeigt in nicht einmal fünf Minuten anschaulich auf, wie vielfältig die SSG-Spickzettel eingesetzt werden können.

Das Erklärvideo kann direkt auf der Website des Schulamts oder auf YouTube angeschaut werden. Wer die Filmdatei herunterladen möchte, kann das hier tun (mp4, 42MB).

Die mündlichen Erklärungen sind in Deutschschweizer Dialekt gehalten. Deutsche Untertitel können in der YouTube-Ansicht hinzugeschaltet werden (einfach rechts unten im Videobild das «CC»-Symbol anklicken).

SSG-Spickzettel – eine praktische Hilfe fürs Schulische Standortgespräch

Das Verfahren «Schulische Standortgespräche» (SSG) kommt nicht nur im Kanton Zürich zur Anwendung, wenn es darum geht, gemeinsam mit den Eltern und dem Lernenden die aktuelle Situation konstruktiv und zielorientiert zu besprechen. Um diese Gespräche noch besser führen zu können, hat das Schulamt der Stadt Zürich ein überzeugendes Hilfsmittel in Form von acht A4-Karten entwickelt und frei zur Verfügung gestellt: die «SSG-Spickzettel». Sie können flexibel eingesetzt werden, um
– sich auf ein SSG vorzubereiten,
– im Schulteam den Umgang mit dem SSG zu thematisieren,
– an Elternabenden das SSG zu erklären
– oder am SSG selber die Gesprächsphasen zu visualisieren.

Die Karten sind doppelseitig bedruckt. Jeweils vorne ist ein bestimmter Fokuspunkt (z.B. «Schwerpunkte finden») bildlich dargestellt. Auf der Rückseite sind wichtige Erläuterung dazu in knapper Form aufgeführt.

Es gibt drei Typen von Karten: Die erste Karte ist sozusagen eine «Übersichtskarte»; auf ihr sind wichtige Informationen zum SSG zusammengefasst. Drei Karten zeigen, welche Leitgedanken hinter dem SSG stehen. Die restlichen vier Karten erläutern die vier Gesprächsphasen des SSG (Vorbereiten, Schwerpunkte finden, Verstehen, Planen und Überprüfen).

Die SSG-Spickzettel richten sich an Lehrpersonen und andere Fachpersonen, die das SSG bereits kennen. Sie eignen sich entsprechend nicht als grundlegende Einführung ins Verfahren, sondern dienen als Unterstützung, Ergänzung, Visualisierung.

Die SSG-Spickzettel können hier heruntergeladen werden (pdf-Datei, 5.4MB). Es empfiehlt sich, sie farbig und doppelseitig auf etwas festeres Papier auszudrucken. Wenn sie anschliessend auch noch laminiert werden, kommen sie perfekt daher.

Moderationsvariante für das «Schulische Standortgespräch»

ssg_maur_ausgefuelltDas Verfahren «Schulische Standortgespräche» (SSG) hat sich weit über den Kanton Zürich hinaus verbreitet. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Bandbreite der Anwendung immens ist: Einzelne Lehrpersonen gehen virtuos und im positiven Sinne kreativ mit diesem Verfahren um. Andere vermeiden die vorgesehene Gesprächsstruktur und nehmen «Abkürzungen», indem sie Gesprächsphasen überhüpfen und lediglich das Kurzprotokoll ausfüllen.

Manchmal gibt es auch gute Gründe, weshalb das SSG in der angedachten Form nicht so richtig passt. Insbesondere ist das Verfahren bei sehr grossen Runden eine enorme Herausforderung … bei Schülerinnen und Schülern mit komplexem Störungsbild können das auch einmal zehn Personen oder mehr sein. Kein Wunder, dass das Verfahren SSG hier an seine Grenzen stösst: Es wurde ursprünglich für übersichtliche Runden von vielleicht maximal sechs Personen konzipiert.

Vor einiger Zeit hat mich die Schule Maur ZH angefragt, ob ich zusammen mit ihnen eine Moderationsform überlegen könnte, die auch bei grossen Runden funktioniert, zielorientiert und irgendwie auch lustvoll ist. Gemeinsam haben wir eine Form entwickelt, die einen einfachen und klaren Ablauf hat, verschiedene Moderationsvarianten zulässt (bis hin zu dynamischen Flip-Chart-Lösungen), alle Phasen des SSG abdeckt und letztlich im wohlbekannten SSG-Kurzprotokoll mündet.

Diese SSG-Variante ist nicht nur für grosse SSG-Runden geeignet, sondern kann auch bei ganz «normalen» Schulischen Standortgesprächen verwendet werden und damit eine willkommene Abwechslung sein.

In einem zip-Ordner sind alle notwendigen Dateien enthalten: eine Kurzanleitung, Protokollblätter sowie ein ausgefülltes Beispiel.

«Rezeptbuch schulische Integration» ist in zweiter, aktualisierter Auflage erschienen

rezeptbuch_zweite_auflageIm Jahr 2011 erschien das «Rezeptbuch schulische Integration», das ich gemeinsam mit Klaus Joller-Graf und Belinda Mettauer Szaday verfasst habe. Das Interesse an diesem Buch war erfreulich: Es wurde viermal nachgedruckt.

Obwohl vier Jahre keine Ewigkeit sind, hatten wir das Bedürfnis, verschiedene Inhalte zu aktualisieren … nur einige wenige, wie wir zunächst dachten. Nach und nach entschieden wir uns jedoch, etliche Passagen zu überarbeiten:
⇒ Aktuelle Forschungsergebnisse zur Wirkung der Integration wurden eingearbeitet.
⇒ Die didaktische Prinzipien für einen guten Integrativen Unterricht wurden neu strukturiert und konkretisiert.
⇒ Das Kapitel «Förderdiagnostik und Förderplanung» wurde deutlich überarbeitet und mit einem Abschnitt zum Thema «Nachteilsausgleich» ergänzt.
⇒ Das Kapitel «So kann schulische Integration gelingen» wurde in den Bereichen «Aufgabenteilung zwischen Lehrpersonen und Fachpersonen für Schulische Heilpädagogik» sowie «Führungs- und Steuerungsaufgaben von Schulleitungen im Bereich Sonderpädagogik» angereichert.
⇒ Die Hinweise zu empfehlenswerten Büchern, Materialien und Medien wurden aktualisiert.

Das Inhaltsverzeichnis und die Vorworte zu den Auflagen 1 und 2 können hier heruntergeladen werden: pdf-Datei, 5.2 MB

Das Buch kann hier bestellt werden: direkt beim Haupt-Verlag, bei ex libris, bei buch.ch, bei amazon.de

Referat «Nachteilsausgleich» (Screencast, 44 Min.)

bild_nta_video_blogLehrpersonen und Schulleitungen werden immer häufiger mit dem Thema «Nachteilsausgleich» konfrontiert. Teilweise herrscht dabei eine grosse Verunsicherung: Welche Schülerinnen und Schüler haben Anrecht auf einen Nachteilsausgleich? Und falls sie das haben: Wie werden Nachteilsausgleichsmassnahmen im schulischen Alltag konkret umgesetzt? Und wie stellen wir sicher, dass diese Massnahmen für alle Beteiligten fair sind?

In diesem 44-minütigen Referat erwartet Sie das Folgende:
⇒ Sie lernen die wichtigsten gesetzlichen Grundlagen des Nachteilsausgleichs kennen (bezogen auf die Schweiz).
⇒ Anschliessend stelle ich Ihnen zentrale Merkmale und Prinzipen vor.
⇒ Anhand von kurz umrissenen Fallbeispielen werden Massnahmen des Nachteilsausgleichs von anderen (sonder)pädagogischen Massnahmen abgegrenzt.
⇒ Und schliesslich erhalten Sie Hinweise zu hilfreichen Unterlagen, die Ihnen helfen, Nachteilsausgleichsmassnahmen im schulischen Alltag klar und gerecht umzusetzen.

Hier kommen Sie direkt zum Referat auf YouTube.
Die Folien zum Referat sowie weitere hilfreiche Unterlagen können Sie über diesen Link (zip-Ordner, 5.6 MB) herunterladen.

Überarbeitete Version des «Standardisierten Abklärungsverahrens» (SAV) liegt vor

sav_2014Als die erste Version des «Standardisierten Abklärungsverfahrens» (SAV) im Frühling 2011 veröffentlicht wurde, konnte man bereits auf eine gewisse Praxiserfahrung bauen. Denn schliesslich wurde das Verfahren nicht von Judith Hollenweger (PHZH), Peter Lienhard (HfH) und Patrick Bonvin (HEP-VD) allein entwickelt, sondern gemeinsam mit Dutzenden von diagnostisch tätigen Fachpersonen. Der wirklich grosse Praxistest hat aber in den letzten zwei Jahren stattgefunden, als abklärende Dienste in verschiedenen Regionen der Schweiz begonnen haben, das SAV verbindlich einzusetzen.

Im Auftrag der Schweizerischen Konferenz der Erziehungsdirektoren (EDK) hat das Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogik (SZH) die gemachten Erfahrungen mit dem SAV systematisch erhoben. Eine gut sortierte Begleitgruppe hat diesen Prozess begleitet. Die drei Entwickeler/innen des SAV wurden in die Überarbeitung mit einbezogen.

Nun liegt die überarbeitete Form des SAV vor. Beibehalten wurden sowohl die Strukturierung in «Basisabklärung» und «Bedarfsabklärung» als auch die einzelnen Unterelemente. Verbesserungen wurden im Detail vollzogen, um mehr Klarheit und Verständlichkeit zu erlangen. Welche Anpassungen konkret gemacht wurden, ist hier beschrieben.

Besonders wichtig scheint mir die folgende Änderung zu sein: Weil das SAV einen starken Fokus auf Entwicklungs- und Bildungsziele legt, die für den betreffenden Menschen relevant erscheinen, kommt dem Element «Einschätzung der Entwicklungs- und Bildungsziele anhand von ICF-Lebensbereichen» eine zentrale Bedeutung zu. In der ersten SAV-Variante erwies sich die Gestaltung dieses Elements als zu kompliziert und kaum praxistauglich. Es wurde nun deutlich vereinfacht und erlaubt neu auch die Setzung von Schwerpunktbereichen für die zuküntige Förderung.

Das überarbeitete Handbuch ist hier herunterladbar: (pdf (0.5 MB).
Das Instrument (SAV-Formular) im Überblick (pdf (0.1 MB).
Das Wichtigste in Kürze: Was ist an der überarbeiteten Version 2014 neu? (pdf (0.2 MB).
Weitere Informationen zum Standardisierten Abklärungsverfahren gibt es hier.

Hilfreicher Orientierungsrahmen für Massnahmen des Nachteilsausgleichs

graphik_nachteilsausgleichSchulen und andere Ausbildungsinstitutionen werden immer häufiger mit dem Thema «Nachteilsausgleich» konfrontiert. Massnahmen des Nachteilsausgleichs sollen Menschen mit einer Funktionseinschränkung – aber gutem Potenzial, um die Ausbildungsziele erreichen zu können – einen erfolgreichen Abschluss ermöglichen. Das wollen sowohl die Schweizerische Bundesverfassung als auch das Behindertengleichstellungsgesetz – und das ist gut so.

Massnahmen des Nachteilsausgleichs sind aber delikat: Es handelt sich um «Ungleichbehandlungen» mit dem Ziel, «Gleichbehandlung» zu erreichen. Bei einem Stotterer, der eine mündliche Prüfung zu bestehen hat, aber in der vorgesehenen Zeit zu wenig zeigen kann, was er wirklich weiss, leuchtet wohl allen ein, dass er eine Massnahme des Nachteilsausgleichs zugute hat – nämlich mehr Zeit für das Ablegen der mündlichen Prüfung. In anderen Fällen ist die Sache nicht so klar. Und immer dann, wenn fraglich ist, ob jemand durch eine Nachteilsausgleichsmassnahme bevorzugt wird (oder ob bei dieser Person Abstriche bei der geforderten Leistung gemacht werden), stellen sich Fragen der Gerechtigkeit und der Gleichbehandlung.

Der vorliegende «Orientierungsrahmen Nachteilsausgleich» soll helfen, Massnahmen des Nachteilsausgleichs von anderen Massnahmen (z.B. sonderpädagogischer Unterstützung, Notenverzicht, Dispensationen, individuellen Lernzielen) unterscheiden zu können. Zudem werden wichtige Leitplanken und Schlüsselfragen für eine transparente und faire Vereinbarung von Nachteilsausgleichsmassnahmen aufgezeigt.

Der Orientierungsrahmen orientiert sich an der «Wegleitung Nachteilsausgleich» (Henrich et al., 2012). Diese Publikation ist im oben angegebenen Link ebenfalls zum Download bereitgestellt.

Artikel in der Zeitschrift Gymnasium Helveticum 5/2014 «Nachteilsausgleich – oder die Herausforderung, Gerechtigkeit durch Ungleichbehandlung herzustellen» (pdf, 8.8 MB)

Stein um Stein – ein empfehlenswertes Instrumentarium zur Lernstandserfassung im Kindergarten

stein_um_steinAlljährlich nach den Sommerferien: Zur Kindergartenklasse stossen rund zehn «Kleine» hinzu. Alle Kindergärtnerinnen und Kindergärtner wissen um die enorme Heterogenität bezüglich Entwicklungsstand und Kompetenzen dieser Kinder. Zusammen mit der Fachperson für Schulische Heilpädagogik gilt es, sich innert nützlicher Zeit ein Bild darüber zu machen, welche Kinder in ihrer Lernentwicklung auf besondere Unterstützung angewiesen sind.

Theres Züst, Heidi Manzanell und Conny Solcà Porcedda haben im Rahmen einer Masterarbeit an der HfH ein Instrumentarium entwickelt, das rasch, praxisnah und fachlich überzeugend einen Überblick über die Kompetenzen der einzelnen Kinder geben kann. Eingebettet in eine Zwergengeschichte werden im Rahmen einer Werkstatt mit der ganzen Klasse verschiedene Aufgaben gelöst. Dabei helfen mehrere Hilfsmittel (z.B. Werkstattpass, Klassenraster) den Überblick zu behalten. Das Instrument ist theoretisch gut abgestützt und entlang der ICF-basierten Lebensbereichen des Verfahrens «Schulische Standortgespräche» gegliedert.

Das Instrumentarium liegt inzwischen in der 3., überarbeiteten Auflage vor. Es ist im Eigenverlag der Autorinnen erschienen und kann bei Heidi Manzanell oder Conny Solcà Poercedda bezogen werden (CHF 57 inkl. Porto & Verpackung). Einführungen ins Instrumentarium durch die Autorinnen (halb- oder ganztags) sind auf Anfrage möglich.

Blog «Integrative Schule» ist als Buch erschienen

bild_bloggingbook_lienhardEin Blog in Buchform … macht das Sinn? Diese Frage stellte sich mir, als eine Mitarbeiterin des Verlags «bloggingbooks» mit der Anfrage auf mich zukam, ob ich meinen Blog als Buch veröffentlichen möchte. Ich liess mich nach einigem Zögern schliesslich davon überzeugen, dass es durchaus Sinn machen könnte, das eher flüchtige Medium «Blog» so zu bearbeiten, dass es in der Darbietungsform «Buch» eine Berechtigung erlangen könnte.

Ich habe meine Blogbeiträge zunächst kritisch durchforstet: Allzu situative, nur kurzfristig interessante Beiträge habe ich gekippt. Die verbleibenden habe ich nach vier Themenschwerpunkten geordnet:
• Internationale Einblicke in integrative Schulen
• Umsetzung der Integration in Schule und Unterricht
• Diagnostik, Zusammenarbeit und Förderplanung
• Konzeptuelle und bildungspolitische Perspektiven der schulischen Integration

Natürlich hat dieses handliche Büchlein (74 Seiten) durchaus gewisse Parallelen zur Publikation Rezeptbuch schulische Integration, doch ist der Charakter der Schreibweise ein ziemlich anderer – wie dies eben in einem Blog so die Regel ist. Und weil die einzelnen Beiträge relativ kurz sind (eine halbe bis zwei Seiten), eignet sich diese Broschüre durchaus für den Nachttisch, das Klo oder die Kaffee-Ecke im Lehrerzimmer.

Weitere Informationen: Inhaltsverzeichnis (pdf-Datei) und «Werbeposter» (A3-Format, grössere pdf-Datei)

Bestellmöglichkeit via Ex Libris oder Amazon Deutschland

Nachtrag vom 12.12.2013: Das Buch ist neu auch für rund 3€ als Kindle-Edition erhältlich.

Inflation der Diagnosen ADHS und Autismusspektrumstörung

schuheIn den USA wird bereits jedem zehnten Kind die Diagnose Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zugeschrieben. Ähnlich rasant nehmen die diagnostizierten Autismusspektrumsstörungen (ASS) zu – auch in der Schweiz. Zwei lesenswerte Beiträge gehen der Frage nach, inwieweit diese Entwicklung hilfreich oder kontraproduktiv sei.

Der Kinderarzt Oskar Jenni – er leitet seit 2005 die Abteilung Entwicklungspädiatrie des Kinderspitals Zürich – plädiert für eine Anhebung der diagnostischen Schwelle (Artikel im Tages Anzeiger vom 20.04.2013, pdf 1.4 MB): Nur noch die schwersten Fälle sollen für eine psychiatrische Diagnose qualifizieren. Die Verhaltens- und Lernprobleme, die bei den «weicheren» Fällen bestehen, müssten durchaus ernst genommen werden, aber auf eine andere Art und Weise. Wichtig sei «die umfassende Beschreibung der Eigenheiten deines Kindes, seines Umfelds und der Probleme». Die inflationäre Zuschreibung dieser Diagnosen erachtet Jenni als kontraproduktiv. Er schliesst seinen Beitrag wie folgt: «Ein mutiger Schritt wäre, auf Diagnosen zu verzichten, die hauptsächlich auf subjektiven Einschätzungen beruhen und damit viel Interpretationsspielraum zulassen. Aber dazu ist die Zeit wahrscheinlich noch nicht reif.»

Eine ähnliche Haltung vertritt Alessia Schinardi vom Sozialpädiatrischen Zentrum in Winterthur (Beitrag im Schweiz Med Forum, 2011, pdf 0.5 MB): Viele Fälle, die ihr zur Begutachtung einer allfälligen ASS unterbreitet werden, seien durch Eltern, Lehrpersonen oder Fachpersonen der Schulpsychologie bereits inoffiziell diagnostiziert worden. Continue reading ‘Inflation der Diagnosen ADHS und Autismusspektrumstörung’ »

Ist ein Nachteilsausgleich im Bildungsbereich notwendig oder unfair?

Dieses Bild passt nur bedingt zur Thematik. Ich habe es trotzdem gewählt, weil es die folgende Tatsache symbolisieren soll: Kinder und Jugendliche können oftmals trotz Beeinträchtigungen erstaunliche Leistungen erbringen, wenn sie die entsprechenden Bedingungen dafür vorfinden. Damit sind beispielsweise Hilfsmittel, Reglementierungen und Haltungen gemeint. Vor allem dann, wenn es um Prüfungssituationen geht, stellt sich die Frage, inwieweit behinderungsbedingte Ausgleichsmassnahmen zum Einsatz kommen sollen – oder ob diese gerade nicht gewährt werden sollen, um den Betroffenen keinen unangemessenen Vorteil zu verschaffen.

Es geht also um Fragen wie diese: Wie soll eine Schülerin mit schwerer Lese-Rechtschreib-Schwäche im Fach Deutsch beurteilt werden? Darf ein Stotterer an einer mündlichen Prüfung mehr Zeit erhalten?

Ein interdisziplinäres Team (Glockengiesser, Henrich, Lienhard, Scheuner und Schriber) hat sich dieser Thematik angenommen. Es zeigt in einem praxisorientierten Artikel auf, weshalb Massnahmen des Nachteilsausgleichs wichtig sind, welche Prinzipien dabei zu berücksichtigen sind und wie verhindert werden kann, dass der Grundsatz der Fairness gegenüber den nicht beeinträchtigen Schüler/innen verletzt wird. Zusätzlich zum Artikel stellt die Autorenschaft drei beispielhafte individuelle Vereinbarungen zum Nachteilsausgleich zur Verfügung.

Wegleitung Nachteilsausgleich (pdf 0.4 MB)
Artikel aus der SZH-Zeitschrift 7-8/2012 (pdf 0.2 MB)
Drei Beispiele von Vereinbarungen zum Nachteilsausgleich (pdf 0.1 MB)

Ungebremster Anstieg der Sonderschüler/innen im Kanton Zürich

Es braucht nicht viel Fantasie, um die weitere Entwicklung dieses Säulendiagramms vorherzusagen (Download der Graphik als pdf-Datei): Wenn keine steuernden Massnahmen ergriffen werden, wird insbesondere die «Integrierte Sonderschulung in der Verantwortung der Regelschule» (ISR, im Säulendiagramm blau) ungebremst weiter anwachsen.

Warum dies geschieht, hat den folgenden Zusammenhang: Die sonderpädagogischen Ressourcen im Regelschulbereich sind im Kanton Zürich kontingentiert und können von der Gemeinde nicht ausgeweitet werden. Durch das Erteilen des Etiketts «Sonderschüler» kann sich die Regelschule zusätzliche Ressourcen verschaffen. So kommt es, dass viele Kinder und Jugendliche sozusagen aus finanztechnischen Gründen zu Sonderschülern werden. Das ist nicht nur unbefriedigend, sondern stossend.

Was ist zu tun? Solange neben einem kontingentierten System (Sonderpädagogik in der Regelschule) ein gegen oben offenes System (zusätzliche Ressourcen durch Sonderschulstatus) besteht, wird sich nichts ändern. Es ist aber absehbar, dass ausufernde Schulbudgets in den Gemeinden unter Druck geraten und reduziert werden müssen. Man sollte es nicht so weit kommen lassen, weil die Gefahr besteht, die erzwungenen Reduktionen hastig, wenig reflektiert (und deshalb am falschen Ort) zu tätigen.

Ein möglicherweise besserer Weg könnte die folgenden Elemente umfassen:
• Es braucht eine Setzung, wie hoch der maximal gewollte Anteil an Sonderschülerinnen und Sonderschülern im Kanton sein soll. Weil die Sonderschulquote in den letzten Jahren laufend angestiegen ist, muss von einer «Grauzonenklientel» ausgegangen werden, welche in erster Linie aus Gründen der Ressourcengenerierung mit dem Sonderschulstatus versehen wurde. Entsprechend ist nicht zu erwarten, dass diese Regelung dazu führt, dass der Unterstützungsanspruch schwerer behinderter Schülerinnen und Schüler in Frage gestellt wird.
• Weil es die Schulgemeinden sind, die den Sonderschulstatus von Schüler/innen aussprechen, hat der Kanton keinen direkten Einfluss auf diese Entscheidungen. Indirekt könnte er jedoch die separativen Sonderschulplätze durch eine kantonale Angebotsplanung und daraus abgeleitete Leistungsvereinbarungen mit den Sonderschulinstitutionen steuern. Ein schrittweiser Abbau eines Teils der Sonderschulplätze wäre angesichts vermehrter integrativer Sonderschulungen nur logisch: Es braucht eine angemessene Umlagerung von Ressourcen, die heute in den Sonderschulen gebunden sind, um die Regelschule wirksam stärken zu können.
• Für die Gemeinden könnte der Kanton die Empfehlung einer Bandbreite ihrer Sonderschülerquote aussprechen. Es ist absehbar, dass viele Gemeinden dankbar wären um eine verbindliche Zielgrösse, an der sich die Schulleitungen und die abklärenden Dienste orientieren könnten. Die diagnostische Triage sollte mehr zielorientiert als defizitorientiert sein, was durch die Einführung des Standardisierten Abklärungsverfahrens erleichtert würde.
• In absehbarer Zeit sollten zudem Wege gefunden werden, belastete Regelschulklassen mit zusätzlichen Ressourcen zu unterstützen, ohne dass dazu ein einzelnes Kind herausgepflückt und als Sonderschüler/in «gelabelt» werden muss. Die Sonderschulquoten-Bandbreite der Gemeinde könnte parallel dazu heruntergefahren werden.

Artikel NZZ vom 6.10.2012 (pdf-Datei, 0.9 MB)
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrats des Kantons Zürich vom 26.9.2012 (pdf-Datei, 0.1 MB)
Artikel Tages Anzeiger vom 17.11.2012 «Kampf gegen die Kostenexplosion in den Sonderschulen» (pdf-Datei, 0.7 MB)

Bundesgerichtsentscheid stützt Wunsch nach Sonderschulinternat nicht

Der Bundesgerichtsentscheid «2C-971/2011» lässt aufhorchen: Er stützt den Entscheid des Kantons Schwyz, im Falle eines Sekundarschülers mit einer zentral-auditiven Wahrnehmnungsstörung dem Wunsch der Eltern nach Schulung in einem Sonderschulinternat nicht nachzukommen – trotz unterstützendem Gutachten des kantonalen schulpsychologischen Dienstes (NZZ vom 22. Mai 2012, online-Link, pdf-Datei). Interessant sind die Begündungen im ausführlichen Bundesgerichtsentscheid (ich beschränke mich auf einige wenige Aspekte):

⇒ Die Vorgaben des Schweizerischen Behindertengleichstellungsgesetzes und des Sonderpädagogischen Konzepts des Kantons Schwyz, dass integrative Lösungen wenn immer möglich Vorrang vor separativen Schulungsformen haben sollen, wird stark gewichtet.

⇒ Es besteht für alle Schülerinnen und Schüler (ob behindert oder nicht behindert, ob im Rahmen einer Regel- oder Sonderschule) grundsätzlich kein Recht auf eine optimale, sondern lediglich auf eine angemessene Schulung. Das bedeutet unter anderem, dass Kinder und Jugendliche keine schulische Bevorzugung erhalten dürfen, die aufgrund ihrer Beeinträchtigungen nicht ausreichend begründbar und nachvollziehbar ist (z.B. individuellere Schulung in kleiner Klasse oder umfassende Betreuung in einem Internat).

⇒ Der deutliche Kostenunterschied zwischen einer integrativen Förderung und einer Förderung im Rahmen eines Sonderschulinternats wird in die Erwägungen mit einbezogen.

Dieser Entscheid löst bei mir zweierlei Intentionen aus:
Einerseits freue ich mich darüber, dass der gesetzlich vorgegebene Vorrang integrativer Lösungen offenbar mehr als eine Worthülse ist. Vielmehr handelt es sich um eine Verpflichtung für alle Beteiligten.
Andererseits könnte das Bundesgerichtsurteil dazu verleiten, einzelnen Schülerinnen und Schülern mit bildungsrelevanten Beeinträchtigungen das Recht auf eine spezifische sonderpädagogische Unterstützung (ob im Rahmen einer Regel- oder Sonderschule) zu verwehren, weil hinter einer vordergründigen Normalisierungs- und Integrationsargumentation nüchtern-dominante Sparüberlegungen stehen. Betroffen wären vor allem Schülerinnen und Schüler, die über wenig Lobby (von Elternseite, von Seiten von Behindertenverbänden, von Seiten der Gesellschaft) verfügen.

Es ist wichtig, dass der Fokus nicht bloss auf einzelne Behinderungsmerkmale gesetzt wird («ein Kind mit der Behinderung X hat die Massnamen Y zugute»). Hier kann der verbindliche Einsatz des vor kurzem entwickelten Standardisierten Abklärungsverfahrens eine hilfreiche Orientierung bieten: Es fokussiert stark auf die Entwicklungs- und Bildungsziele und bleibt nicht bei der Diagnose stehen. Aufgrund dieser strukturierten Zieldefinition lässt sich unter allen Beteiligten – bis hin auf juristischer Ebene – klarer argumentieren und einschätzen, welche Schulungsform und welche Unterstützungsmassnahmen als angemessen und fair zu betrachten sind.

⇒ Lesenswerte Medienmitteilung (pdf-Datei) von insieme und Egalité Handicap

Förderdiagnostisches Praxismodell für die Sekundarstufe I

Roger Mäder und Jürg Senn arbeiten als Schulische Heilpädagogen an der Sekundarschule in Pratteln im Kanton Basel-Landschaft. Sie haben eine förderdiagnostische Konzeption erarbeitet, die bezüglich fachlicher Abstützung, Klarheit und Praxisfreundlichkeit ihresgleichen sucht.

Im Rahmen einer sorgfältig nachgeführten Internetseite stellen sie in verdankenswerter Weise alle Unterlagen gut dokumentiert frei zur Verfügung.

Auch wenn diese Konzeption für die Sekundarstufe I entwickelt wurde: Das Förderdiagnostische Praxismodell eignet sich durchaus auch für die Anwendung auf der Primarstufe.

Download der Präsentation (pptx, 9 MB) sowie des Handbuchs (Achtung, SEHR grosse Datei: pdf 227 MB!)

Formulare für das Verfahren «Schulische Standortgespräche» liegen in aktualisierter Form vor

Die Bildungsdirektion des Kantons Zürich hat die Formulare für das Verfahren «Schulische Standortgespräche» (SSG) neu aufgelegt und online gestellt. Sie sind als einzelne pdf-Dokumente auf der Homepage des Zürcher Volksschulamts (VSA) herunterladbar.

Weil etliche Formulare in zehn Sprachen zur Verfügung stehen, ergeben sich gegen hundert Einzeldateien. Ich habe alle heruntergeladen und in einem zip-Ordner (9.6 MB) zusammengefasst.

Die Formulare sehen nach wie vor gleich aus. Inhaltlich wurden nur kleine begriffliche Optimierungen vorgenommen. Neu sind die Formulare durchnummeriert: Hauptorientierung Primar-Sek ⇒ Formular Nr. 1; Hauptorientierung Kindergarten ⇒ Formular Nr. 2; Hauptorientierung: Grundstufe ⇒ Formular Nr. 3; so genanntes «Basisformular», das für Kinder und Jugendliche mit erheblichen kognitiven Beeinträchtigungen verwendet werden kann, wenn die übrigen Formulare einen zu hohen Kompetenzgrad ansprechen ⇒ Formular Nr. 4 (dieses Formular ist eine Neuentwicklung).

Das VSA hat sich für Nummern entschieden, weil auf diese Weise z.B. das Grundstufenformular bei einem Schüler mit geistiger Behinderung in der 4. Klasse angewendet werden kann, ohne dass unten am Blatt «Vorbereitungsformular Grundstufe» steht . . . es ist nun einfach mit «Volksschule 3» bezeichnet.

Zusätzlich wurden neu auch Formulare für den Frühbereich entwickelt. Diese sollen von der HFE-Fachperson dann zur Anwendung kommen, wenn der Eintritt ins obligatorische Bildungssystem (Kindergarten oder Grundstufe) ansteht.

Lehrvideos «Schulische Standortgespräche moderieren – (k)ein Kunststück!»

Steff Aellig, Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik, Zürich (HfH), hat mit Unterstützung von verschiedenen Personen (u.a. Reto Luder, Pädagogische Hochschule Zürich (PHZH), und Raphael Geschwend, pulsmesser.ch) kurze Lehrfilme zum Schulischen Standortgespräch produziert. Sehr anschaulich wird anhand von zwei konkreten Standortgesprächen gezeigt, wie dessen Ablauf aussieht, wie alle Beteiligten wirklich einbezogen werden können und worauf bei der Moderation zu achten ist.

Beispiel mit einem Schüler im Altersspektrum von 9 bis 16 Jahren: Link zu Teil 1Link zu Teil 2

Beispiel mit einer Schülerin im Altersspektrum von 4 bis 8 Jahren: Link zu Teil 1Link zu Teil 2

Bonus: Fragen und Antworten von Fachleuten

Nachtrag: Im September 2011 hat ein Team der Pädagogischen Hochschule Zürich ein 22-minütiges Video eines Schulischen Standortgespräches rund um einen Schüler der Sekundarstufe auf YouTube veröffentlicht.

Menschliche Eizellen auf eine Behinderung hin untersuchen und allenfalls zerstören – darf man das?

Ich mag die Art und Weise, wie der Moderator Frank Plasberg in seiner Sendung «hart aber fair» Themen aufgreift und diskutiert. In der Sendung vom 29.06.2011 geht es um die Frage, ob die Präimplantationsdiagnostik (PID) mehr Segen oder Fluch sei. Eine spannend zusammengesetzte Runde (Gesundheitspolitikerin, Arzt, Kirchenvertreter, betroffene Mutter sowie Guildo Horn, Musiker und Diplompädagoge [Bild]) diskutiert das Thema engagiert und zuweilen sehr emotional. Viele Fragen, die uns umtreiben mögen, kommen auf den Tisch: Ist ein mikroskopisch kleiner Zellhaufen bereits als menschliches Wesen zu betrachten? Führt die PID zu einem Dammbruch hin zum «Designerbaby nach Wunsch»? Werden Eltern, die keine pränatale Diagnostik durchführen möchten, gesellschaftlich geächtet («das hätte man nun wirklich verhindern können»)? Warum ist PID in etlichen Ländern verboten, die Abtreibung von monatealten Föten mit einer Behinderung jedoch erlaubt?

Man kann sich die rund 75 minütige Sendung als WebStream (video) anschauen oder als PodCast (audio) (Achtung: 73 MB) herunterladen.

Standardisiertes Abklärungsverfahren liegt in der Endversion vor

In der Schweiz hat sich die Invalidenversicherung (IV) aus der Sonderschulfinanzierung zurückgezogen. Neu sind die Kantone für die Bildung aller Kinder und Jugendlicher – ob ohne oder mit Beeinträchtigungen – verantwortlich. Zur Unterstützung der Feststellung des individuellen Bedarfs wurde von der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und Erziehungsdirektoren (EDK) die Ausarbeitung eines «Standardisierten Abklärungsverfahrens» (SAV) in Auftrag gegeben. Inzwischen liegt das SAV-Dossier, datiert vom 16. April 2011, in der Endversion vor: deutschsprachige Version, pdf 2.5 MB | version française, pdf 2.7 MB

Weitere Informationen:
– Link zur Projekt-Homepage
– Link zu vertiefenden Informationen und Materialien zum Standardisierten Abklärungsverfahren (in der Auswahl links auf «Standardisiertes Abklärungsverfahren» klicken)
– EDK-Entscheid «Verabschiedung des allgemeinen Konzepts des ’standardisierten Abklärungsverfahrens zur Vermittlung des individuellen Bedarfs’» pdf 0.5 MB | EDK-Mitteilung «Neues Abklärungsverfahren Sonderpädagogik» pdf 0.1 MB

Auch über Grenzen der schulischen Integration muss offen gesprochen werden

Wenn von Grenzen der Integration die Rede ist, fällt der Fokus oft auf den betreffenden Schüler: Er gilt als unintegrierbar. Diese Sichtweise unterschlägt die Tatsache, dass eine gelingende schulische Integration mit weit mehr Einflussfaktoren zusammenhängt … beispielsweise mit der Kompetenzüberzeugung der Lehrpersonen, der Qualität und dem Umfang der zusätzlichen Unterstützung, der strategischen Ausrichtung der Schulbehörden und des verantwortlichen Bildungsministeriums u.a.m.

Dennoch: Es gibt Schülerinnen und Schüler, die aufgrund ihrer spezifischen Beeinträchtigungen überdurchschnittlich oft in der Regelschule scheitern und schliesslich von ihr ausgeschlossen werden. Ein sehr lesenswerter Artikel in der Wochenzeitung DIE ZEIT vom 4. November 2010 («Die Not ist riesengroß») befasst sich mit der Situation von Schülerinnen und Schülern mit psychischen Beeinträchtigungen.

Standardisiertes Abklärungsverfahren für die Ermittlung des individuellen Bedarfs verabschiedet

In der Schweiz hat sich die Invalidenversicherung (IV) aus der Sonderschulfinanzierung zurückgezogen. Neu sind die Kantone für die Bildung aller Kinder und Jugendlicher – ob ohne oder mit Beeinträchtigung – verantwortlich. Unter den Regelungen der IV musste ein schädigungsbezogenes Kriterium nachgewiesen werden, um Gelder für eine zusätzliche Förderung auszulösen. Dieser Fokus hatte etliche Nachteile: Ein bestimmter IQ sagt einem noch nicht, welchen Förderbedarf ein Kind hat … und wenn eine Kind eine Beeinträchtigung hatte, zu der es kein IV-Kriterium gab, hatte es entweder Pech – oder man musste im diagnostischen Prozess irgend ein IV-Kriterium «hinbiegen».

In den vergangenen Jahren wurde im Rahmen eines breit abgestützten, nationalen Projekts ein «Standardisiertes Abklärungsverfahren für die Ermittlung des individuellen Bedarfs» entwickelt. Es ermöglicht eine breitere Sicht als dies beim Nachweis der IV-Kriterien der Fall war. Die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und Erziehungsdirektoren (EDK) hat das Verfahren an ihrer Plenarversammlung vom 17. Juni 2010 verabschiedet. Es wird derzeit daran gearbeitet, das Verfahren in elektronischer Form zur Verfügung zu stellen.

Das Verfahren führt selbstverständlich nicht «einfach so» zu integrativeren Lösungen. Es kann aber helfen, solche zu planen und umzusetzen, weil die frühere, recht starre Linearität (z.B.: «geistige Behinderung = Besuch einer heilpädagogischen Schule») nicht mehr zwingend gegeben ist.

Weitere Informationen:
EDK-Entscheid «Verabschiedung des allgemeinen Konzepts des ’standardisierten Abklärungsverfahrens zur Vermittlung des individuellen Bedarfs’» pdf 0.5 MB | EDK-Mitteilung «Neues Abklärungsverfahren Sonderpädagogik» pdf 0.1 MB
Link zu vertiefenden Informationen und Materialien zum Standardisierten Abklärungsverfahren
Link zur Projekt-Homepage
Bild: dpa / http://www.taz.de/!23674/