Posts tagged ‘Migrationshintergrund’

Blog «Integrative Schule» ist als Buch erschienen

bild_bloggingbook_lienhardEin Blog in Buchform … macht das Sinn? Diese Frage stellte sich mir, als eine Mitarbeiterin des Verlags «bloggingbooks» mit der Anfrage auf mich zukam, ob ich meinen Blog als Buch veröffentlichen möchte. Ich liess mich nach einigem Zögern schliesslich davon überzeugen, dass es durchaus Sinn machen könnte, das eher flüchtige Medium «Blog» so zu bearbeiten, dass es in der Darbietungsform «Buch» eine Berechtigung erlangen könnte.

Ich habe meine Blogbeiträge zunächst kritisch durchforstet: Allzu situative, nur kurzfristig interessante Beiträge habe ich gekippt. Die verbleibenden habe ich nach vier Themenschwerpunkten geordnet:
• Internationale Einblicke in integrative Schulen
• Umsetzung der Integration in Schule und Unterricht
• Diagnostik, Zusammenarbeit und Förderplanung
• Konzeptuelle und bildungspolitische Perspektiven der schulischen Integration

Natürlich hat dieses handliche Büchlein (74 Seiten) durchaus gewisse Parallelen zur Publikation Rezeptbuch schulische Integration, doch ist der Charakter der Schreibweise ein ziemlich anderer – wie dies eben in einem Blog so die Regel ist. Und weil die einzelnen Beiträge relativ kurz sind (eine halbe bis zwei Seiten), eignet sich diese Broschüre durchaus für den Nachttisch, das Klo oder die Kaffee-Ecke im Lehrerzimmer.

Weitere Informationen: Inhaltsverzeichnis (pdf-Datei) und «Werbeposter» (A3-Format, grössere pdf-Datei)

Bestellmöglichkeit via Ex Libris oder Amazon Deutschland

Nachtrag vom 12.12.2013: Das Buch ist neu auch für rund 3€ als Kindle-Edition erhältlich.

Langzeitwirkungen der schulischen Integration

Eine bestmögliche soziale und berufliche Integration ist das erklärte Ziel sämtlicher pädagogischer und sonderpädagogischer Bemühungen. Eine wichtige Frage ist allerdings, in welchem Setting dieses Ziel eher erreicht werden kann.

Michael Eckhard und andere haben in einer aufwändigen Langzeitstudie Personen untersucht, die (mit vergleichbaren Merkmalen) entweder eine Regelklasse oder eine Sonder- resp. Kleinklasse besucht haben. Die gleichen Personen wurden zunächst als Schüler/in zu verschiedenen Zeitpunkten untersucht und später dann als junge Erwachsene befragt.

Die wichtigsten Erkenntnisse: Integriert beschulte (potenzielle Kleinklassen-)schülerinnen und -schüler haben im jungen Erwachsenenalter tendenziell
– einen höheren beruflichen resp. schulischen Abschluss erreicht,
– einen stabileren Berufsfindungsweg mit weniger Wechseln und Abbrüchen hinter sich,
– einen höheren Selbstwert und ein leicht höheres Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten,
– ein deutlich breiteres soziales Netzwerk sowie
– eine positivere, weniger ausgrenzende Einstellung Migrantinnen und Migranten gegenüber.

Das Studiendesign und die detaillierten Resultate sind in der folgenden Publikation nachzulesen: Eckhard, Michael; Haeberlin, Urs; Sahli Lozano, Caroline; Blanc, Philippe (2011). Langzeitwirkungen der schulischen Integration. Bern: Haupt

Bestellung beim Haupt-Verlag, bei buch.ch, bei ex libris, bei amazon.de

[Ein Klick aufs Bild macht das Buchcover und den Buchrückentext lesbar.]

Erfolgreiche gymnasiale Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund

[Bild: Tages-Anzeiger] Für das Gymnasium Unterstrass war der Freitag der 13. (April 2012) kein Unglückstag – vielmehr gab es etwas zu feiern: Die vierte Generation von ChagALL-Jugendlichen konnte aufgenommen werden. Zudem konnte die an der Feier anwesende Bildungsdirektorin Regine Aeppli bestätigen, dass der Kanton Zürich dieses erfolgreiche Projekt ab sofort massgeblich mitfinanziert.

Worum geht es? ChagALL steht für «Chancengerechtigkeit durch Arbeit an der Lernlaufbahn». Begabte Jugendliche mit Migrationshintergrund, die nicht auf die Unterstützung eines bildungsnahen Elternhauses zählen können, werden während der Sekundarschulzeit gezielt auf den Gymnasiumseintritt hin unterstützt. Für die Jugendlichen bedeutet dies einen gewaltigen Zusatzaufwand: Jeden Mittwochnachmittag und etliche Samstage haben sie zusätzlich die Schulbank zu drücken. Erfreulich viel schaffen jedoch den Übertritt ins Gymnasium, und die Mehrheit von ihnen bleibt auch da.

Dieses Modell müsste vermehrt Schule machen. Wir können und dürfen es uns nicht leisten, das Potential von motivierten Jugendlichen mit Migrationshintergrund brach liegen zu lassen.

Der Beitrag des Kantons deckt nicht alle Kosten dieses Unterstützungsprojekts. Zuwendungen auf das Postkonto 80-2440-7 (Gymnasium Unterstrass, Zürich) sind gut investiert.

⇒ Link zum Förderprogramm ChagALL des Gymnasiums Unterstrass
⇒ Link zum Radiobeitrag vom 13.04.2012 (Radio DRS 1, Regionaljournal Zürich-Schaffhausen)
⇒ Artikel Tagesanzeiger vom 14. April 2012 (pdf, 0.3 MB)
⇒ Artikel Neue Zürcher Zeitung vom 14. April 2012 (0.3 MB)
Blogeintrag zum Projekt «ChagALL» Thematik vom Juni 2011

Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf der Gymnasialstufe

Wenn von schulischer Integration die Rede ist, denkt in der Regel niemand an die Gymnasialstufe. Das Gymnasium Unterstrass («unterstrass.edu») in Zürich – eine traditionsreiche Institution, die seit dem Jahr 1869 Werteorientierung und Innovation unter einen Hut bringt – wollte sich nicht mit der Tatsache abfinden, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund viel zu selten die Hochschulreife schaffen. Vor einigen Jahren wurde deshalb das Projekt ChagAll (Chancengerechtigkeit durch Arbeit an der Lernlaufbahn) ins Leben gerufen. Begabte Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund können von Lehrpersonen der Sekundarstufe I gemeldet werden. Bei entsprechendem Potential und guter Eigenmotivation werden sie in ein Vorbereitungsprogramm aufgenommen. Die Schulzeit verbringen sie in regulären Gymnasialklassen und werden bedarfsorientiert durch einen Coach begleitet.

Ich konnte kürzlich persönlich Einblick nehmen und bin von diesem Projekt überzeugt und begeistert. Obwohl es durch namhafte Stiftungen wie Jacobs Foundation oder Stiftung Mercator Schweiz unterstützt wird, ist die gemeinnützige Schule unterstrass.edu darauf angewiesen, dass das Projekt durch Spenden aufrecht erhalten werden kann. Zuwendungen auf das Postkonto 80-2440-7 sind gut investiert.