Posts tagged ‘Schülereinbezug’

Was gemeinsames Lernen fördert – und verhindert

Am 7. März 2018 organisierte Pro Infirmis Zürich eine Podiumsveranstaltung zum Thema «Schule für alle – ein Wagnis?». Das Podium unter der Leitung von Cornelia Kazis war spannend und breit zusammengesetzt (siehe Flyer).

In diesem Rahmen durfte ich ein 20-minütiges Input-Referat beisteuern. Ich gestaltete es entlang der folgenden fünf Thesen:

(1) Gelingende Integration hängt nicht in erster Linie vom betreffenden Kind ab
(2) Homogenitäts-Sehnsucht ist Gift für die schulische Integration
(3) Man weiss nur dann, ob etwas funktioniert, wenn man es auszuprobieren wagt
(4) Integration bedeutet «mit Anderen geteilte Lebenswelt»
(5) Nicht immer ist die maximale Förderung die optimale Förderung

Ich habe meine (meist bildhaft gestalteten) Folien mit Kommentaren versehen, damit man meine wichtigsten Aussagen nachvollziehen kann. Die Folien sind als pdf-Datei hier herunterladbar.

Geniales Erklärvideo zu den SSG-Spickzetteln

Im letzten Blog-Eintrag wurde das praktische Hilfmittel SSG-Spickzettel vorgestellt. Nun hat das Schulamt der Stadt Zürich nochmals nachgelegt: Es hat ein genial gemachtes Erklärvideo entwickelt und zur freien Verfügung gestellt. Das Video zeigt in nicht einmal fünf Minuten anschaulich auf, wie vielfältig die SSG-Spickzettel eingesetzt werden können.

Das Erklärvideo kann direkt auf der Website des Schulamts oder auf YouTube angeschaut werden. Wer die Filmdatei herunterladen möchte, kann das hier tun (mp4, 42MB).

Die mündlichen Erklärungen sind in Deutschschweizer Dialekt gehalten. Deutsche Untertitel können in der YouTube-Ansicht hinzugeschaltet werden (einfach rechts unten im Videobild das «CC»-Symbol anklicken).

Unterrichtsentwicklung als Basis einer integrativen Schule: Chur macht’s vor

Es sind nicht immer die Zentrumsregionen, die im Bereich der Schulentwicklung eine Vorreiterrolle einnehmen. In Chur, der Hauptstadt des Gebirgskantons Graubünden, wird seit Jahren in professioneller und gleichzeitig pragmatischer Weise Schulentwicklung betrieben.

Ein Beispiel: Auf der Primarstufe wurde das «Churer Modell» entwickelt. Dieses hat zum Ziel, die Binnendifferenzierung im Unterricht auf vielfältige Weise umzusetzen. Dabei wurden unter anderem bewährte Elemente des Kindergartens für die Primarschule adaptiert. Der Unterricht besteht aus den Elementen
– Gemeinschaft (Rituale, im Kreis singen, sich austauschen, spielen),
– Kurs (Inputs im Kreis),
– Arbeit mit Lernangeboten (differenziert am Arbeitsplatz) sowie
– Freiarbeit (Arbeit an in individuellen Projekten, z.B. entlang der 7-Schritt-Methode).
Das Projekt wird sorgsam Schritt für Schritt auf immer mehr Klassen ausgeweitet. Es entwickelt sich sehr erfreulich.

In einem gut aufbereiteten, vierseitigen Papier wird der Weg zur Binnendifferenzierung in zehn Schritten vorgestellt (download pdf-Datei, 2.2 MB).
[Bildquelle: Stadtschulen Chur]

Moralische Einstellungen von Schülerinnen und Schülern zur schulischen Integration

Forscherinnen und Forscher der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz (PHZ) haben sich einer interessanten Frage angenommen. Ausgehend von der Tatsache, dass immer mehr Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung integrativ in einer Regelschule unterrichtet werden, erforschten sie die Entwicklung sozialer und moralischer Kompetenzen bezüglich dieses Themenkreises. Befragt wurden 463 Kindern vom Kindergarten bis zur 6. Klasse. Die Forschungsresultate zeigen keine eindeutigen Effekte von Schülerinnen und Schüler von Klassen, in denen Einzel- oder Gruppenintegrationen realisiert wurden. Generell scheint bei allen Kindern ein gewisser Pragmatismus zu spielen – eine realitätsbezogene und wenig dogmatische Sichtweise.

Ein solcher Pragmatismus wäre auch auf Erwachsenenebene wünschbar: Die Kräfte sollten nicht auschliesslich im «Ob» verpuffen, sondern sich (in welchem Setting auch immer) auf das «Wie» konzentrieren … und damit auf die Lösung konkreter Problemstellungen, die in jeder herausfordernden Schulsituation auftreten.

In einem NZZ-Beitrag vom 12. März 2012 wird unter anderem diese Studie verwiesen.

Radiosendung «Therapieren wir unsere Schulkinder zugrunde?»

Momentan wird die Thematik, dass Kinder bei jeder kleinen Abweichung therapiert würden, medial heiss gekocht – im Tages Anzeiger und in der NZZ am Sonntag war davon zu lesen. In einer Radio-Debatte, die am 11.11.2011 auf Radio DRS 2 im Sendegefäss «Kontext» ausgestrahlt wurde, «diskutieren» Lilo Lätzsch (Präsidentin des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbandes), Sefkia Garibovic (freiberufliche Expertin für Nacherziehung und systemische Therapie) sowie ich, Peter Lienhard (Dozent an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich). Moderiert wurde das Gespräch von Angelika Schett.

Weshalb «diskutieren» in Anführungszeichen? Frau Garibovic ging ausschliesslich von ihrer Erfahrung mit sehr problematischen, verfahrenen Einzelsituationen aus (Massnahmen-Odysee, Schulausschluss, massive medikamentöse Behandlungen, Entzug des Sorgerechts der Eltern). Daraus leitete sie extreme Generalisierungen zur Situation der Schule ab, was eine differenzierte Diskussion stark erschwerte.

Wer sich die Sendung trotzdem anhören möchte:
Radiosendung online anhören
Radiosendung als mp3-Datei herunterladen (14.5 MB)

Lehrvideos «Schulische Standortgespräche moderieren – (k)ein Kunststück!»

Steff Aellig, Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik, Zürich (HfH), hat mit Unterstützung von verschiedenen Personen (u.a. Reto Luder, Pädagogische Hochschule Zürich (PHZH), und Raphael Geschwend, pulsmesser.ch) kurze Lehrfilme zum Schulischen Standortgespräch produziert. Sehr anschaulich wird anhand von zwei konkreten Standortgesprächen gezeigt, wie dessen Ablauf aussieht, wie alle Beteiligten wirklich einbezogen werden können und worauf bei der Moderation zu achten ist.

Beispiel mit einem Schüler im Altersspektrum von 9 bis 16 Jahren: Link zu Teil 1Link zu Teil 2

Beispiel mit einer Schülerin im Altersspektrum von 4 bis 8 Jahren: Link zu Teil 1Link zu Teil 2

Bonus: Fragen und Antworten von Fachleuten

Nachtrag: Im September 2011 hat ein Team der Pädagogischen Hochschule Zürich ein 22-minütiges Video eines Schulischen Standortgespräches rund um einen Schüler der Sekundarstufe auf YouTube veröffentlicht.

Schulisches Standortgespräch für alle Schüler/innen einer Klasse?

Vorbemerkung: Dieser Blog-Beitrag wurde im Januar 2010 erstellt. Aufgrund positiver Rückmeldungen aus der Praxis habe ich den Beitrag nochmals etwas prominenter platziert.

Das Verfahren «Schulische Standortgespräche» wurde an der Volksschule des Kantons Zürich verbindlich eingeführt (Handreichung des Volksschulamtes des Kantons Zürich; Bezugsquelle der Broschüre: Lehrmittelverlag des Kantons Zürich). Es kommt immer dann zum Zug, wenn
– aus irgend einem Grund Bedarf nach einem strukturierten, vertieften Gespräch besteht,
– bei einer Schülerin oder einem Schüler ein besonderer Förderbedarf geprüft werden soll
– oder wenn bereits eine sonderpädagogische Massnahme durchgeführt wird.

Einige Schulen überlegen sich, ob das Verfahren in einer allenfalls leicht veränderter Form auch für jährliche Standortgespräche mit allen Schülerinnen und Schülern angewendet werden könnte … aus der Überlegung heraus, dass es eigentlich alle Kinder und Jugendlichen verdient haben, wenn man einmal pro Jahr ein individuumsbezogenes, zielorientiertes Gespräch durchführt. Hier stellt sich die Frage, ob leicht angepasste Protokollformulare sinnvoll wären. Hier findet man den Vorschlag eines solchen vereinfachten Protokollformulars. Es kann bei dieser Anwendungsform des Schulischen Standortgesprächs die zweite und dritte reguläre Protokollseite ersetzen.

Anregungen | Erfahrungs-Rückmeldungen | Anpassungsvorschläge sind willkommen.
Link zum Download des Formularvorschlags (Word)

Über diesen Link sind kommentierte Einführungs- und Vertiefungsreferate zum Schulischen Standortgespräch zu finden.