Eine Schule, die Israel neue Hoffnung geben kann

Es war nicht das Bildungsministerium, das den Anstoss für die «Hand-in-hand» Schulen in Israel gegeben hat: Eltern jüdischer und arabischer Söhne und Töchter hatten die Idee, ihren Kindern eine gemeinsame Zukunft zu ermöglichen. Alles an dieser Schule ist bilingual und (zumindest) bikulturell, nicht nur die Schülerinnen und Schüler: Jede Klasse hat zwei Lehrpersonen, wobei die eine in arabischer und die andere in hebräischer Sprache unterrichtet. Selbst die Schulleitung ist doppelt besetzt. «Ich und meine Klasse» funktioniert an dieser Schule definitiv nicht mehr: Eine intensive Zusammenarbeit aller Beteiligten ist unverzichtbar.

Die Kinder treten in der Regel ohne Kenntnisse der anderen Sprache in den Vorkindergarten ein. In den ersten Tagen suchten sie gemäss den Kindergärtnerinnen den Kontakt zu Gleichsprachigen und zur erwachsenen Person ihrer Sprache, aber schon nach einer Woche sei das vorbei: «Dann läuft die Kommunikation und das gemeinsame Spielen irgendwie wie von selbst.»

Freundschaften, so berichteten mir Schülerinnen und Schüler der oberen Klassen, würden sich in dieser Schule nach anderen Kriterien als «jüdisch» oder «arabisch» bilden. Gemeinsame Interessen sowie «einfach Sympathie eben» seien wichtiger.

Ich fragte den Schulleiter, wie der gesellschaftliche Support für diese Idee sei. «Leider nicht sehr gut». Das Ziel, arabischen Kindern und Jugendlichen Selbstbewusstsein und auch Leadership-Qualitäten zu vermitteln, wird von vielen Israeli nicht als erstrebenswert erachtet. «Wie tief diese Problematik sitzt, kann man daran erkennen, dass etliche jüdische Schülerinnen und Schüler auf Wunsch von deren Eltern die Schule nach der 6. oder 7. Klasse verlassen: Man wolle die Jungen und Mädchen für den kommenden «Ernst des Lebens» (Absolvieren des 2-jährigen [w] resp. 3-jährigen [m] Militärdienstes; jüdische Heirat) klar und ohne Irritationen vorbereiten. Die Idee der Hand-in-hand Schule scheint demnach für Etliche nur für die Kindheit, nicht aber fürs Erwachsenenalter gut zu sein.

Hier sind weitere Informationen über die «Hand In Hand» Schulen zu finden.

Zum Bild: Freundschaft eines jüdischen und eines arabischen Jungen. Rechts im Hintergrund ist schwach ein Schweizerkreuz zu erkennen: Dieses Schulgebäude ist massgeblich von der Schweizerischen Eidgenossenschaft, verschiedenen Kantonen und Schweizer Firmen finanziert worden.