{"id":1240,"date":"2012-05-23T07:32:12","date_gmt":"2012-05-23T06:32:12","guid":{"rendered":"http:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/?p=1240"},"modified":"2012-05-23T16:51:11","modified_gmt":"2012-05-23T15:51:11","slug":"bundesgerichtsentscheid-stutzt-wunsch-nach-sonderschulung-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/?p=1240","title":{"rendered":"Bundesgerichtsentscheid st\u00fctzt Wunsch nach Sonderschulinternat nicht"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/nzz_bge_4.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/nzz_bge_4-300x150.jpg\" alt=\"\" title=\"nzz_bge_4\" width=\"300\" height=\"150\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1276\" srcset=\"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/nzz_bge_4-300x150.jpg 300w, https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/nzz_bge_4.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Der Bundesgerichtsentscheid \u00ab2C-971\/2011\u00bb l\u00e4sst aufhorchen: Er st\u00fctzt den Entscheid des Kantons Schwyz, im Falle eines Sekundarsch\u00fclers mit einer zentral-auditiven Wahrnehmnungsst\u00f6rung dem Wunsch der Eltern nach Schulung in einem Sonderschulinternat nicht nachzukommen \u2013 trotz unterst\u00fctzendem Gutachten des kantonalen schulpsychologischen Dienstes (NZZ vom 22. Mai 2012, <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/aktuell\/schweiz\/behinderte-kinder-in-volksschule-integrieren_1.16981063.\" target=\"_blank\">online-Link<\/a>, <a href=\"http:\/\/peterlienhard.ch\/download\/120522_nzz_bge_sonderschule_schwyz.pdf\">pdf-Datei<\/a>). Interessant sind die Beg\u00fcndungen im ausf\u00fchrlichen <a href=\"http:\/\/peterlienhard.ch\/download\/2011_BGE_2C_971_2011.pdf\">Bundesgerichtsentscheid<\/a> (ich beschr\u00e4nke mich auf einige wenige Aspekte):<\/p>\n<p>&#8658; Die Vorgaben des Schweizerischen Behindertengleichstellungsgesetzes und des Sonderp\u00e4dagogischen Konzepts des Kantons Schwyz, dass integrative L\u00f6sungen wenn immer m\u00f6glich Vorrang vor separativen Schulungsformen haben sollen, wird stark gewichtet.<\/p>\n<p>&#8658; Es besteht f\u00fcr alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler (ob behindert oder nicht behindert, ob im Rahmen einer Regel- oder Sonderschule) grunds\u00e4tzlich kein Recht auf eine <em>optimale,<\/em> sondern lediglich auf eine <em>angemessene<\/em> Schulung. Das bedeutet unter anderem, dass Kinder und Jugendliche keine schulische Bevorzugung erhalten d\u00fcrfen, die aufgrund ihrer Beeintr\u00e4chtigungen nicht ausreichend begr\u00fcndbar und nachvollziehbar ist (z.B. individuellere Schulung in kleiner Klasse oder umfassende Betreuung in einem Internat).<\/p>\n<p>&#8658; Der deutliche Kostenunterschied zwischen einer integrativen F\u00f6rderung und einer F\u00f6rderung im Rahmen eines Sonderschulinternats wird in die Erw\u00e4gungen mit einbezogen.<\/p>\n<p>Dieser Entscheid l\u00f6st bei mir zweierlei Intentionen aus:<br \/>\nEinerseits freue ich mich dar\u00fcber, dass der gesetzlich vorgegebene Vorrang integrativer L\u00f6sungen offenbar mehr als eine Worth\u00fclse ist. Vielmehr handelt es sich um eine Verpflichtung f\u00fcr alle Beteiligten.<br \/>\nAndererseits k\u00f6nnte das Bundesgerichtsurteil dazu verleiten, einzelnen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern mit bildungsrelevanten Beeintr\u00e4chtigungen das Recht auf eine spezifische sonderp\u00e4dagogische Unterst\u00fctzung (ob im Rahmen einer Regel- oder Sonderschule) zu verwehren, weil hinter einer vordergr\u00fcndigen Normalisierungs- und Integrationsargumentation n\u00fcchtern-dominante Spar\u00fcberlegungen stehen. Betroffen w\u00e4ren vor allem Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die \u00fcber wenig Lobby (von Elternseite, von Seiten von Behindertenverb\u00e4nden, von Seiten der Gesellschaft) verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Es ist wichtig, dass der Fokus nicht bloss auf einzelne Behinderungsmerkmale gesetzt wird (\u00abein Kind mit der Behinderung X hat die Massnamen Y zugute\u00bb). Hier kann der verbindliche Einsatz des vor kurzem entwickelten <a href=\"http:\/\/www.sav-pes.ch\" target=\"_blank\">Standardisierten Abkl\u00e4rungsverfahrens<\/a> eine hilfreiche Orientierung bieten: Es fokussiert stark auf die Entwicklungs- und Bildungsziele und bleibt nicht bei der Diagnose stehen. Aufgrund dieser strukturierten Zieldefinition l\u00e4sst sich unter allen Beteiligten \u2013 bis hin auf juristischer Ebene \u2013 klarer argumentieren und einsch\u00e4tzen, welche Schulungsform und welche Unterst\u00fctzungsmassnahmen als angemessen und fair zu betrachten sind.<\/p>\n<p>&#8658; Lesenswerte <a href=\"http:\/\/peterlienhard.ch\/download\/120523_medienmitteilung_insieme_egalite_handicap.pdf\">Medienmitteilung (pdf-Datei)<\/a> von <a href=\"http:\/\/www.insieme.ch\/\" target=\"_blank\">insieme<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.egalite-handicap.ch\/news.html\" target=\"_blank\">Egalit\u00e9 Handicap<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesgerichtsentscheid \u00ab2C-971\/2011\u00bb l\u00e4sst aufhorchen: Er st\u00fctzt den Entscheid des Kantons Schwyz, im Falle eines Sekundarsch\u00fclers mit einer zentral-auditiven Wahrnehmnungsst\u00f6rung dem Wunsch der Eltern nach Schulung in einem Sonderschulinternat nicht nachzukommen \u2013 trotz unterst\u00fctzendem Gutachten des kantonalen schulpsychologischen Dienstes (NZZ vom 22. 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