{"id":1861,"date":"2014-05-21T13:00:59","date_gmt":"2014-05-21T12:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/?p=1861"},"modified":"2016-12-17T17:30:59","modified_gmt":"2016-12-17T16:30:59","slug":"inklusion-zwischen-diskriminierungsverbot-und-das-geht-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/?p=1861","title":{"rendered":"Inklusion zwischen Diskriminierungsverbot und \u00abdas geht nicht\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/geteilte_lebenswelt.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/geteilte_lebenswelt-300x150.jpg\" alt=\"geteilte_lebenswelt\" width=\"300\" height=\"150\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1862\" srcset=\"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/geteilte_lebenswelt-300x150.jpg 300w, https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/geteilte_lebenswelt-1024x512.jpg 1024w, https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/geteilte_lebenswelt.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Der \u00abFall Henri\u00bb wird derzeit weit \u00fcber Deutschland hinaus intensiv diskutiert. Dieser Junge mit Down-Syndrom hat die Primarschule integrativ besucht. Eine vergleichbare Weiterf\u00fchrung scheint nun nicht mehr m\u00f6glich zu sein: Sowohl die Realschule als auch das Gymnasium vor Ort haben die Aufnahme von Henri abgelehnt (<a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/aktuell\/panorama\/henri-darf-nicht-aufs-gymnasium-1.18306452\" target=\"_blank\">Beitrag NZZ online vom 20.05.2014<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/schulspiegel\/junge-mit-down-syndrom-henri-darf-nicht-aufs-gymnasium-wechseln-a-969836.html\" target=\"_blank\">Beitrag SPIEGEL online vom 16.05.2014<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/bildungspolitik-grenzen-der-inklusion-12947379.html\" target=\"_blank\">sehr kritischer Artikel auf F.A.Z. online vom 20.05.2014<\/a>).<\/p>\n<p>Die Diskussion dieser Situation verl\u00e4uft hoch kontrovers. Es tut sich ein Spannungsfeld auf zwischen \u00abInklusion ist gesetzt, das Diskriminierungsverbot gilt\u00bb und \u00abdas geht nicht, das macht doch keinen Sinn mehr\u00bb. Geht man von einem regul\u00e4ren, herk\u00f6mmlichen Unterricht in Real-, Sekundar- und Gymnasialklassen aus, ist die Frage nach der Sinnhaftigkeit tats\u00e4chlich zu stellen: Auch bei noch so geschickter Differenzierung wird es schwer fallen, Henri beispielsweise an einer Diskussion \u00fcber den Ukraine-Konflikt oder an einer Mathematik-Lektion zum Thema Integralrechnung echt teilhaben zu lassen. Wer die Inklusionsfrage durch eine Schwarz-wei\u00df-Brille betrachtet (\u00abInklusion ist nur bei st\u00e4ndigem, 100-prozentigem gemeinsamem Lernen umgesetzt\u00bb) wird sowohl die Schule als auch die betroffenen Sch\u00fcler\/innen in unl\u00f6sbare Situationen rasseln lassen.<\/p>\n<p>Wir brauchen eine Entkrampfung, um den Kopf frei zu bekommen f\u00fcr pragmatische, f\u00fcr alle Beteiligten lebbare L\u00f6sungen. <!--more--> Im NZZ-Artikel wird richtigerweise gesagt, dass es dabei keine einfachen Rezepte gibt. Aber Leitplanken zur Orientierung lassen sich durchaus aufstellen: Es geht darum, eine geteilte Lebenswelt zu schaffen, mit der M\u00f6glichkeit<br \/>\n&#8211; gemeinsame Themen,<br \/>\n&#8211; \u00e4hnliche Interessen,<br \/>\n&#8211; echte Erfolgserlebnisse<br \/>\n&#8211; und Freundschaften<br \/>\nzu erleben [siehe obige Abbildung; ein Klick darauf macht sie gr\u00f6\u00dfer]. Inwieweit dies m\u00f6glich ist, h\u00e4ngt nicht nur vom Kind oder Jugendlichen mit Beeintr\u00e4chtigungen ab, sondern auch von den Bedingungen, welche die Schule bereitstellt.<br \/>\n\u00dcbrigens k\u00f6nnen diese vier Leitplanken nicht nur f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung von integrativen Schulsituationen herangezogen werden. Es ist durchaus auch m\u00f6glich, dass ein Sch\u00fcler oder eine Sch\u00fclerin in einer Sonderschule Bedingungen vorfindet, welche die Erreichung dieser Ziele hemmen oder verunm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Nochmals: Wenn Henri in eine traditionell gef\u00fchrte Sekundarschulklasse gesetzt wird &#8211; vielleicht mit einer Begleitung, die sein Anders-Sein auch noch st\u00e4ndig strukturell sichtbar macht &#8211; wird er wohl keines der vier genannten Leitplanken-Ziele erreichen. Gelingt es der Schule aber, den Unterricht angemessen zu differenzieren, mehrere Sch\u00fcler\/innen mit Beeintr\u00e4chtigungen immer wieder f\u00fcr einzelne Aktivit\u00e4ten zusammenzunehmen und sowohl kreativ als auch sorgf\u00e4ltig zu \u00fcberlegen, wo gemeinsames Lernen wirklich m\u00f6glich ist, kann Inklusion gelingen. F\u00fcr kognitiv st\u00e4rker beeintr\u00e4chtige Sch\u00fcler\/innen kann ich mir durchaus auch in Sekundarschulen \u00abeingepflanzte\u00bb\u00a0Kooperationsklassen vorstellen, die gemeinsam mit einer Sonderschule betrieben werden.<\/p>\n<p>Ein oft \u00fcbersehener, aber zentraler Punkt ist dabei der folgende: Im Zusammenhang mit Evalautionen von Sonderschulen und integrativen Regelschulen bin ich immer wieder erstaunt dar\u00fcber, wie klar Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit Beeintr\u00e4chtigungen ihre Kompetenzen einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen &#8211; und ausdr\u00fccken k\u00f6nnen, wie eine Lernumgebung aussehen k\u00f6nnte, die gut f\u00fcr sie ist. Bildungspolitiker, Fachpersonen und Eltern sind in dieser Frage wichtige, aber eben nicht die wichtigsten Personen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der \u00abFall Henri\u00bb wird derzeit weit \u00fcber Deutschland hinaus intensiv diskutiert. Dieser Junge mit Down-Syndrom hat die Primarschule integrativ besucht. Eine vergleichbare Weiterf\u00fchrung scheint nun nicht mehr m\u00f6glich zu sein: Sowohl die Realschule als auch das Gymnasium vor Ort haben die Aufnahme von Henri abgelehnt (Beitrag NZZ online vom 20.05.2014, Beitrag SPIEGEL online vom 16.05.2014, &#8230;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/?p=1861\" class=\"more-link\">Continue reading &lsquo;Inklusion zwischen Diskriminierungsverbot und \u00abdas geht nicht\u00bb&rsquo; &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,13,11,8],"tags":[39,28,31,88,23,34,33,35,26,96,95,52,14,27,36],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1861"}],"collection":[{"href":"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1861"}],"version-history":[{"count":22,"href":"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1861\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2122,"href":"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1861\/revisions\/2122"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1861"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1861"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1861"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}