{"id":331,"date":"2010-04-05T19:23:10","date_gmt":"2010-04-05T18:23:10","guid":{"rendered":"http:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/?p=331"},"modified":"2011-01-25T08:57:10","modified_gmt":"2011-01-25T07:57:10","slug":"in-moldawien-sind-die-bedingungen-fur-schulische-integration-extrem-schwierig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/?p=331","title":{"rendered":"In Moldawien herrschen schwierige Bedingungen f\u00fcr die schulische Integration"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/klasse_kishinau.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/klasse_kishinau-300x150.jpg\" alt=\"\" title=\"klasse_kishinau\" width=\"300\" height=\"150\" class=\"alignleft size-medium wp-image-455\" srcset=\"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/klasse_kishinau-300x150.jpg 300w, https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/klasse_kishinau.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Bevor ich die Republik Moldowa zum ersten Mal besuchte, wusste ich nicht einmal so recht, wo sie liegt: Westlich grenzt dieses Land, das kleiner ist als die Schweiz, an Rum\u00e4nien. N\u00f6rdlich, \u00f6stlich und s\u00fcdlich ist es von der Ukraine umgeben. Das schwarze Meer ist nicht weit.<br \/>\nBis zum Beginn der 90-er-Jahre war Moldawien Teil der UdSSR. Das Bildungssystem wurde nach sowjetischem Muster ausgerichtet und seither nicht wesentlich ver\u00e4ndert. Wie jedes System hat auch dieses Vor- und Nachteile:<br \/>\n&#8211; Der Kindergarten und die Schule sind Lebensr\u00e4ume, die je nach Bed\u00fcrfnissen der Eltern den ganzen Tag zur Verf\u00fcgung stehen. Die Gemeinschaft wird gross geschrieben. Der Unterricht ist hoch strukturiert, was f\u00fcr einzelne Kinder einen hilfreichen Halt gibt. Einzelne Lehrpersonen sind p\u00e4dagogisch sehr geschickt und machen zwar traditionellen, aber guten Unterricht.<br \/>\n&#8211; Der Unterricht ist darauf ausgerichtet, dass alle zur gleichen Zeit dasselbe tun. Kreativit\u00e4t hat ihren Platz nur in den daf\u00fcr vorgegebenen Bahnen. Der Konkurrenzdruck ist allgegegenw\u00e4rtig. Wer schw\u00e4cher oder in irgend einer Weise &#8222;anders&#8220; ist, hat einen schweren Stand. Es gibt zwar einen schulpsychologischen Dienst, doch scheint dieser vor allem die Funktion zu haben, dem Kind zu Systemkonformit\u00e4t zu verhelfen (&#8230; was in anderen L\u00e4ndern ja nicht wirklich anders ist, jedoch nicht in so dominanter Art und Weise).<\/p>\n<p>Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist Moldawien zunehmend verarmt. Der Bereich der \u00f6ffentlichen Bildung hat mit der Entwicklung von Subsystemen reagiert:<br \/>\n&#8211; Einzelne Volksschulen haben ein besonderes Profil, beispielsweise franz\u00f6sische oder deutsche Kultur und Sprache als Schwerpunkt. Sie werden in Moldawien &#8222;Lyceum&#8220; genannt. Auf dem Bild ist eine vierte Klasse eines solchen Lyceums zu sehen. Diese Schulen machen Eintrittstests mit Schulanf\u00e4ngern (Grundlagen des Lesens und Rechnens werden bereits im Kindergarten vermittelt). Lycenums-Volksschulen nehmen nur Kinder auf, die ihnen gen\u00fcgend leistungsf\u00e4hig erscheinen. Wenn ein Kind sp\u00e4ter schlecht mitkommt, kann man (wenn die Lehrperson dazu bereit ist und die Eltern sich das leisten k\u00f6nnen) auf privater Basis bei der Klassenlehrperson (!) zus\u00e4tzliche Einzelf\u00f6rderung einkaufen. Das ist ein willkommener Zustupf zum tiefen Lehrerlohn (umgerechnte ca. 300-350 \u20ac im Monat). Staatlich finanzierte Unterst\u00fctzungsmassnahmen gibt es nicht. Dar\u00fcber hinaus spenden die Eltern Geld in eine Schulkasse. Daf\u00fcr kann sich die Schule zus\u00e4tzliche Materialien kaufen, einen Mehrzweckraum renovieren oder einen Schulanlass finanzieren &#8230; und das Kind von spendefreudigen Eltern kann, so vermute ich stark, mit \u00abangemesserenen\u00bb Schulnoten rechnen.<br \/>\n&#8211; Andere Volksschule nehmen theoretisch alle Kinder auf, aber auch sie machen Eintrittstests. Wer die Buchstaben nicht kennt oder vielleicht ein logop\u00e4disches Problem hat, kann eine Absage erhalten und ist damit vom Volksschulunterricht ausgeschlossen. In diesen Schulen ist (im Vergleich zu den Lycen) nicht nur die Durchmischung breiter und schwieriger; die L\u00f6hne der Lehrpersonen sind hier nochmals tiefer (ca. 250 \u20ac). Die Eltern dieser Sch\u00fclerschaft k\u00f6nnen in der Regel auch weniger Geld &#8222;spenden&#8220;, weshalb diese Schulen zus\u00e4tzlich schlechter gestellt sind.<br \/>\n&#8211; Schafft es ein Kind auch in einer solchen Schule nicht, wird es zuhause gelassen (die Familie bekommt f\u00fcr ein schwer behindertes Kind umgerechnte 30 \u20ac pro Monat &#8230; meist kann die Mutter nicht arbeiten gehen &#8230; entsprechend reicht dieses Geld nirgends hin), oder es kommt in ein Heim f\u00fcr behinderte Kinder. Hier sind die Kinder vollst\u00e4ndig von ihrem bisherigen Umfeld abgeschnitten. Das Personal ist schlecht ausgebildet, miserabel bezahlt und entsprechend unmotiviert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/maedchen_kishinau.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/maedchen_kishinau-300x150.jpg\" alt=\"\" title=\"maedchen_kishinau\" width=\"300\" height=\"150\" class=\"alignleft size-medium wp-image-456\" srcset=\"https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/maedchen_kishinau-300x150.jpg 300w, https:\/\/peterlienhard.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/maedchen_kishinau.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Ich hatte die Gelegenheit, sowohl in der Stadt als auch auf dem Land verschiedene \u00e4rmere Famlien zu besuchen. Die Not ist unbeschreiblich. Oft leben ganze Familien in einem oder zwei kleinen Zimmern.<\/p>\n<p>Dieses M\u00e4dchen ist k\u00f6rperlich behindert. Ihre Beine sind deformiert, die Arme gel\u00e4hmt. Kognitiv ist sie nicht beeintr\u00e4chtigt, im Gegenteil: Sie macht einen ausgesprochen aufgeweckten Eindruck. Sie malt mit dem Mund und mit seinem rechten Fuss. Aufgrund der k\u00f6rperlichen Behinderung ist sie jedoch von allen Bildungsangeboten ausgeschlossen &#8211; f\u00fcr Besucher aus der Schweiz eine schwierig zu verdauende Tatsache.<\/p>\n<p>Die Hilfsorganisation &#8222;Green Cross Schweiz&#8220; unterst\u00fctzt Projekte zugunsten behinderter Kinder und Jugendlicher sowie benachteiligter Familien in Moldawien. Es werden in diesem Land besonders viele Kinder mit Missbildungen geboren, weil Moldawien vor rund 25 Jahren von einer Tschernobyl-Wolke \u00fcberzogen wurde &#8230; und die damalige Regierung das Volk nicht gewarnt hat. So wurden zahlreiche Menschen nachhaltig radioaktiv kontaminiert und tragen ein gesch\u00e4digtes Erbgut weiter.<br \/>\nDie Umsetzung von Unterst\u00fctzungsprojekten ist nicht einfach, doch es gibt keine Alternative: Wenn man die Situation dieser Kinder und Familien verbessern will, braucht es ein klares Engagement.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.greencross.ch\/\">Link<\/a> zu Green Cross Schweiz<br \/>\n<a href=\"http:\/\/moldovacc.md\/chernobyl\/home_en.htm\">Link<\/a> zur Partnerorganisation in Moldawien (Foundation Echo of Chernobyl)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bevor ich die Republik Moldowa zum ersten Mal besuchte, wusste ich nicht einmal so recht, wo sie liegt: Westlich grenzt dieses Land, das kleiner ist als die Schweiz, an Rum\u00e4nien. N\u00f6rdlich, \u00f6stlich und s\u00fcdlich ist es von der Ukraine umgeben. Das schwarze Meer ist nicht weit. 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