Sonderpädagogisches Konzept des Kantons Zürich wird nicht eingeführt

(Foto: NZZ) Die Bildungsdirektion des Kantons Zürich hat im November 2009 ein umfassendes Konzept in Vernehmlassung gegeben, das den sonderpädagogischen Bereich im Altersbereich von 0 bis 20 im Fokus hat. Die Hauptanliegen des Konzepts: Stärkung der Integrationsfähigkeit der Regelschule durch teilweise Ressourcenumlagerung aus dem Sonderschulbereich; mehr Handlungsspielraum für die Regelschulen beim Einsatz dieser Ressourcen; Wahrnehmung der von der Schweizerischen Invalidenversicherung (IV) an die Kantone übertragenen Verantwortung, das sonderpädagogische Angebot zu sichern und zu steuern.

Die Vernehmlassung hat gezeigt, dass wesentliche Elemente des Konzepts – unter anderem der Vorschlag, Sonderschulentscheidungen durch eine unabhängige kantonale Stelle überprüfen zu lassen – auf breite Ablehnung stiessen. Besonders negativ waren die Reaktionen angesichts des regierungsrätlichen Auftrags, parallel mit der Verstärkung der integrativen Förderung finanzielle Einsparungen zu machen.

An einer Medienkonferenz vom 11. Juni 2010 haben Regierungsrätin Regine Aeppli und Volksschulamtschef Martin Wendelspiess bekannt gegeben, dass auf eine Umsetzung dieses Konzepts verzichtet würde. Einzelne unbestrittene Elemente wie die Einführung eines Standardisierten Abklärungsverfahrens würden eingeführt. Versprochen wurde zudem die rasche Einführung von entlastenden und flexibilisierenden Massnahmen zugunsten der Regelschule.

Selbst wenn etliche der Einwände und Befürchtungen gut nachvollziehbar sind: Es ist schade, dass dieses Konzept keine Chance hatte. Offenbar konnte das in meinen Augen wichtigste Element – einen Teil der zunehmend aus dem Ruder laufenden Sonderschulressourcen vermehrt in der Regelschule vor Ort einzusetzen, um sie tragfähiger, flexibler und damit integrativer werden zu lassen – nicht nachvollziehbar und glaubhaft genug transportiert werden.

Viele Schulleitungen und Lehrpersonen, die hinsichtlich integrativer Schulmodelle bereits auf einem guten Weg sind, fühlen sich nun verunsichert. Für sie ist wichtig zu wissen, dass die bisher eingeführten Integrationsformen weitergeführt werden.

NZZ-Beitrag vom 12.11.2010 betreffend des «Wie weiter nach dem Rückzug des Konzepts» pdf 0.4 MB
Medienmitteilung pdf 0.1 MB | Präsentation der Medienmitteilung pdf 0.1 MB | Vernehmlassungsbericht pdf 0.2 MB
Artikel Neue Zürcher Zeitung pdf 0.4 MB | Artikel und Kommentar Tages-Anzeiger pdf 0.4 MB
Leserbriefe im Leserforum des Tages-Anzeigers pdf 0.2 MB | Leserbriefe in der Neuen Zürcher Zeitung pdf 0.4 MB
Interview Tages Anzeiger mit Jürg Forster, Leiter Schulpsychologischer Dienst der Stadt Zürich pdf 0.7 MB
Beitrag Radio DRS, Regionaljournal vom 11.06.2020, mit Interviewausschnitten mit RR R. Aeppli anhören
Artikel NZZ: Interviewteile mit Riccardo Bonfranchi (Leiter RGZ-HPS ZH) sowie Urs Strasser (Rektor HfH) pdf 0.3 MB
Artikel NZZ: Umsetzung der Integration an der Schule Wädenswil pdf 0.4 MB
Artikel Tages-Anzeiger (Mamablog vom 31.08.2010): Interview mit Regierungsrätin Regine Aeppli pdf 0.3 MB
DIE ZEIT, 19.08.2010): Interview mit Regierungsrätin Regine Aeppli pdf 0.3 MB

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